“Ich hätte es nicht gemacht” – ZDF-Mann Seibert ist neuer Regierungssprecher

11.08.2010

Heute tritt Steffen Seibert sein neues Amt an. Nach Brender und Wilhelm stelt sich damit die Frage: verwässert die Grenze zwischen Politik und öffentlich-rechtlichem Rundfunk? Nein, sagt der Gründungsdirektor des ARD-Hauptstadtstudios.

Der Raum der Bundespressekonferenz. Hier wird Steffen Seibert, vormals Moderator des heute-journals beim ZDF, Merkels Politik verkaufen müssen. / © Axel Schmidt (ddp)

war Chef des Magazins »Kontraste«, SFB-Chefredakteur und baute das ARD-Hauptstadtstudio auf, dessen erster Direktor er bis 2001 war.Jürgen Engertwar Chef des Magazins »Kontraste«, SFB-Chefredakteur und baute das ARD-Hauptstadtstudio auf, dessen erster Direktor er bis 2001 war. 

Man kennt das eigentlich nur aus Ländern, die eher undemokratisch geführt werden: Vertraute der Regierung werden in wichtige Medien-Ämter gehievt. Unbequeme Chefredakteure werden auf Betreiben der Politik hin abgesägt. In Deutschland nicht denkbar? Anscheinend doch. Innerhalb eines Jahres haben wir genau das dreimal erlebt:

  • September 2009: Der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wurde, auf Betreiben der CDU, abgelöst
  • Mai 2010: Der ehemalige Regierunssprecher der Kanzlerin, Ulrich Wilhelm, wird neuer Intendant des Bayrischen Rundfunks
  • August 2010: Der neue Regierungssprecher der Kanzlerin kommt wiederum aus dem TV: es ist Steffen Seibert, bis dahin Moderator des ZDF-heute-journals. Der, so wurde bekannt, nach seinem Job als Regierungssprecher auch gern zum ZDF zurückkehren darf.

Zeigt sich hier eine Bedrohung für die Unabhängigkeit dieser Programme? Weicht die Grenze zwischen Politik und unabhängigen Medien allmählich auf? Oder wird hier übertrieben und überhitzt debattiert?

Das fragen wir einen der renommiertesten politischen Journalisten des Landes: Jürgen Engert. Er war jahrzehntelang politischer Redakteur, Chefredakteur des SFB und Gründungsdirektor des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin.