Idomeni: Griechenland räumt das Flüchtlingscamp

Erschöpfung und Resignation: Ein Bericht aus Idomeni

24.05.2016

Tausende Menschen auf der Flucht sammelten sich in dem improvisierten Flüchtlingscamp in Idomeni. Sie haben unter furchtbaren Bedingungen gelebt, gegen die Schließung der Grenzen in Europa protestiert, sahen sich Tränengas, Schlamm und Perspektivlosigkeit gegenüber. Jetzt lässt die griechische Regierung das Camp räumen.

Idomeni: Symbol für die Flüchtlingspolitik

Idomeni, ein kleiner Ort an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien, hat in den letzten Monaten traurige Berühmtheit erlangt. Als Anfang März die Staaten entlang der Balkanroute ihre Grenzen schlossen, strandeten hier viele Menschen. Quasi über Nacht entstand ein provisorisches Camp, in dem zeitweise bis zu 15.000 Menschen gelebt haben sollen.

Unter menschenunwürdigen Zuständen haben die Menschen in Idomeni ausgeharrt in der Hoffnung, doch noch die Grenze nach Mazedonien passieren zu können.

Räumung bis jetzt gewaltlos

Die griechische Regierung kündigte schon mehrfach an, das Lager in Idomeni räumen zu wollen – aus Angst, dass sich dort Seuchen verbreiten könnten und auch, weil es mehrfach zu Krawallen kam.

Jetzt hat die griechische Regierung die Räumung des Lagers eingeleitet. Bereitschaftspolizisten sorgen dafür, dass die Menschen ihre Sachen packen und ihre Zelte verlassen. Laut Medienberichten ist es dabei bisher weder von Seiten der Polizei noch von Seiten der Flüchtlinge zu Gewalt gekommen. Es soll mehrere Tage dauern, bis alle Flüchtlinge das Lager verlassen haben werden und in andere Unterkünfte umgesiedelt worden sind.

Es sind sehr viele Familien und Kinder in dem Lager, das heißt, es ist auch im Interesse der Flüchtlinge, keine Konfrontation – und schon gar nicht mit Gewalt – mit der Polizei zu suchen. – Afsana Rezaie, Übersetzerin für Ärzte ohne Grenzen in Idomeni

Griechenland ist überfordert

Doch ob es den Flüchtlingen nach der Umsiedlung in andere Unterkünfte in Griechenland besser gehen wird als in Idomeni, bleibt abzuwarten. Griechenland ist finanziell und organisatorisch überfordert mit der Versorgung der Menschen.

Auch der Flüchtlingspakt mit der Türkei hat die Last, die Griechenland zu tragen hat, nicht verringert. Flüchtlinge, die über das Mittelmeer in Griechenland ankommen, werden von dort aus zurück in die Türkei geschickt. Hilfsorganisationen berichten allerdings von massiven Menschenrechtsverletzungen in den Lagern, in denen die Menschen auf ihre Rückführung warten müssen.

Wie ist die Situation vor Ort und was bedeutet das für die Flüchtlinge in Griechenland? detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler hat mit Afsana Rezaie in Idomeni gesprochen. Sie ist als Übersetzerin und Kulturmediatorin für Ärzte ohne Grenzen vor Ort im Einsatz.

Afsana Rezaie, Ärzte ohne GrenzenDas Camp in Idomeni war am Anfang eher eine Sache der Demonstration. In den letzten Wochen ist es aber mehr in Resignation umgeschlagen. Die Menschen sind einfach erschöpft. Afsana Rezaiearbeitet als Übersetzerin und Kulturmediatorin für Ärzte ohne Grenzen in Idomeni. 
Das Flüchtlingslager in Idomeni wird geräumt | Afsana Rezaie von Ärzte ohne Grenzen berichtet