Ist das gerecht? | Cédric Herrou vor Gericht

Französischer Flüchtlingshelfer verurteilt

14.02.2017

Cédric Herrou hat 200 Flüchtlinge unentgeltlich mit seinem Lieferwagen von Italien nach Frankreich gebracht. Zwischenzeitlich betrieb er sogar ein eigenes Flüchtlingscamp und hat damit womöglich Menschenleben gerettet. Die Staatsanwaltschaft sieht das allerdings anders.

Eigentlich ist Cédric Herrou ein Landwirt aus dem französischen Roya-Tal naher der italienischen Grenze. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit dem Verkauf von Oliven und Eiern. Inzwischen ist er in seiner Region eine kleine Berühmtheit, denn Cédric Herrou brachte in seinem Lieferwagen 200 Flüchtlinge aus Italien über die französische Grenze. Manche davon beherbergte er auf seinem Hof. Später errichtete er ein improvisiertes Flüchtlingscamp in einer leerstehenden Ferienanlage. Das alles tat er, ohne von den Flüchtlingen Geld zu verlangen. Jetzt hat man ihm den Prozess gemacht.

Mit dem Transporter über die Grenze

Im August 2016 ist er zum ersten Mal von der französischen Polizei aufgegriffen worden. Als ihn die Beamten anhielten, hatte er acht Eritreer in seinem Fahrzeug. Herrou wurde verhaftet. Die Flüchtlinge brachte man zurück hinter die italienische Grenze. Kaum 48 Stunden später war der Landwirt wieder auf freiem Fuß. Der Staatsanwalt war damals der Ansicht, er habe aus humanitären Gründen gehandelt, nicht um sich zu bereichern.

Flüchtlingsheim des Cédric Herrou

Auf dem Gelände einer ehemaligen Ferienanlage der französischen Staatsbahn SNCF hat der Bauer ein improvisiertes Flüchtlingslager errichtet. Laut eigener Aussage ging es ihm darum, vor allen Dingen minderjährige Flüchtlinge von der Straße zu holen. Er selbst sah Handlungsbedarf, weil der französische Staat aus seiner Sicht nichts unternimmt. Nur drei Tage später räumte die Polizei das Camp. Nach Auskunft der Beamten waren viele der Migranten in einem schlechten Gesundheitszustand. Es gab sogar einen Malariafall.

Das Urteil

Inzwischen ist Cédric Herrou der Prozess gemacht worden. Obwohl er nichts daran verdiente, galt er der Staatsanwaltschaft doch als Schlepper. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung. Zudem solle sein Fahrzeug beschlagnahmt und seine Fahrerlaubnis engeschränkt werden. Verurteilt hat man ihn schließlich zu einer Zahlung von 3.000 Euro auf Bewährung. Das französische Recht sieht allerdings noch wesentlich höhere Strafen vor.

Ob das gerecht ist, hat detektor.fm-Moderator Eric Mickan mit Rechtsanwalt Dr. Achim Doerfer besprochen.

HitlergrußDie Staatsanwaltschaft hat sich gezwungen gesehen, hier stärker dagegen vorzugehen. Umso bemerkenswerter, dass das Urteil vergleichsweise gering ausgefallen ist. Für mich hat das auch etwas Französisches. Man zieht die Grenzen, was den zivilen Ungehorsam angeht, weiter als in Deutschland. Dr. Achim Doerferist mit dem milden Urteil zufrieden. 

Redaktion: Alexander Goll


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