Jair Bolsonaro gewinnt Brasilien-Wahl

"Niedergang der liberalen Institutionen"

29.10.2018

Der rechtsradikale Kandidat Jair Bolsonaro hat die Präsidentschaftswahlen in Brasilien gewonnen. Im Wahlkampf ist er durch Homophobie, Frauenfeindlichkeit und eine positive Einstellung zur Militärdiktatur aufgefallen. Außerdem hat er seinen Gegner mit politischen "Säuberungen" gedroht, sobald er an der Macht ist.

Jair Bolsonaro: Präsidentschaft gesichert

Es hat lange danach ausgesehen und nun ist es eingetreten: Der Rechtsaußen-Kandidat Jair Bolsonaro hat die brasilianischen Präsidentschaftswahlen gewonnen. 55 Prozent haben für ihn gestimmt. Im Wahlkampf hat er sich homophob und frauenfeindlich geäußert und zudem lobende Worte für die langjährige brasilianische Militärdiktatur gefunden.

Unter anderem hat er in einem Interview gesagt, dass es ihm lieber wäre, wenn sein Sohn tot wäre, als dass er schwul werde. Außerdem sieht er Folter, Morde und die Androhung von „Säuberungen“ als legitime politische Mittel an.

Wir können in Brasilien einen internationalen Trend beobachten: Die politische Mitte wurde aufgerieben und es kommt zu einem Niedergang der liberalen Institutionen. – Bernhard Leubolt, Politikwissenschaftler

Brasilien am Scheideweg

Brasilien ist die größte Demokratie Südamerikas. Doch das Land hat noch keine lange demokratische Tradition. Die Militärdiktatur dauerte von 1964 bis 1985. Allerdings wird die Geschichte des brutalen Regimes bis heute kaum aufgearbeitet.

Daher kann Bolsonaro sich auch heute noch positiv auf Machenschaften der damaligen Diktatur beziehen. Obwohl Bolsonaro versichert hat, dass er die Verfassung achten wird, sind sich Beobachter unsicher, ob Brasilien weiterhin demokratisch bleibt.

Unterstützung durch Brasiliens Evangelikale

Bolsonaro konnte vor allem die Stimmen der Mittelschicht auf sich vereinen. Doch auch Teile der ärmeren Bevölkerung stimmten für ihn. Das liegt auch an dem wachsenden Einfluss der evangelikalen Christen in Brasilien.

Die Zustimmung für die Evangelikalen zieht sich durch alle sozialen Schichten. Am stärksten verfängt es jedoch unter den Ärmsten. Von daher konnte Bolsonaro den Unmut der Mittelschichten aufgreifen und wurde auch von den evangelikalen Kirchen aktiv unterstützt. – Bernhard Leubolt

Brasilien ist zwar immer noch ein tief katholisches Land, doch 30 Prozent der Brasilianer sind heute Anhänger der christlich-fundamentalistischen evangelikalen Kirchen. Gerade bei ihnen hat sein Programm gegen die Rechte von Frauen und Homosexuellen große Resonanz erfahren.

Über die Zukunft von Brasiliens Demokratie und warum sich die Brasilianer für Jair Bolsonaro entschieden haben, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Eva Morlang mit dem Politikwissenschaftler Bernhard Leubolt gesprochen. Er forscht an der Katholischen Sozialakademie Österreichs zu Demokratie und sozialer Ungleichheit in Brasilien.

BolsonaroBei Jair Bolsonaro verwundert es eher, dass er sich plötzlich zu demokratischen Grundwerten bekennt. Dr. Bernhard Leuboltist Politikwissenschaftler mit einem Fokus auf Brasilien. 

Redaktion: Rewert Hoffer