Karte der Woche | Private Schusswaffen pro Kopf

Risikofaktor Schusswaffe

19.06.2017

Die deutschen Waffengesetze gehören zu den strengsten weltweit. Trotzdem belegen die Deutschen einen prominenten Platz, wenn es um den Pro-Kopf-Besitz von privaten Schusswaffen geht. Wie sieht der Trend aus? Eine Bestandsaufnahme des privaten Waffenbesitzes.

Schusswaffen-Besitz: Deutschland weit vorne

Das Märchen der Sicherheit durch private Schusswaffen wird von der Waffenlobby erfolgreich von Generation zu Generation weiter getragen. Dass da nicht viel Wahres dran ist, wissen viele spätestens seit dem Oscar-prämierten Dokumentarfilm „Bowling for Columbine“.

Doch nicht nur in den USA wird sich auf den Schutz durch private Kleinwaffen verlassen. Die in Genf ansässige Nichtregierungsorganisation „Small Arms Survey“ listet regelmäßig den Pro-Kopf-Besitz privater Schusswaffen weltweit. Deutschland belegt in dieser Liste mit dem 16. Platz einen der vorderen Ränge.

Dabei gelten die deutschen Waffengesetze weltweit als besonders streng. Die Betonung liegt auf dem „Gelten“, denn gerade legale Sportwaffen führen in Deutschland immer wieder zu tödlichen Schussverletzungen.

Risikofaktor Schusswaffe

Gegen den illegalen Waffenbesitz ist in Deutschland eine wichtige Entscheidung getroffen worden. Wer innerhalb eines Jahres seine illegale Schusswaffe abgibt, genießt Straffreiheit. Ob die zeitlich begrenzte Amnestie für illegalen Erwerb und Besitz von Schusswaffen auch ihren Zweck erfüllt, ist aus Sicht von Experten fraglich.

Einen Effekt hat dieses unübliche Moratorium jetzt schon: Es lässt daran zweifeln, dass beim Thema Schusswaffenbesitz in Deutschland alles in Ordnung ist. Rein wissenschaftlich betrachtet, so Maximilian Küstermann, ist Schusswaffenbesitz ein Risiko. Der Autor schreibt für das Katapult-Magazin. Er hat sich unlängst mit der Liste des Small Arms Survey beschäftigt. Er kommt zu dem Schluss:

Es gibt eine starke Korrelation von Waffenbesitz und Verbrechen oder Konflikten unter Einsatz von Kleinwaffen. – Maximilian Küstermann, Katapult-Magazin

Doch Angst ist bekanntlich ein erfolgreiches politisches Kalkül und führt auch schon mal zur irrationalen Assoziation von Schusswaffen mit Sicherheit. Vollkommen unnachvollziehbar ist dieser Trend allerdings nicht. Immerhin verteidigen die Helden vieler Filme und Serien unsere Welt mit Schusswaffen.

Was die Wissenschaft genau zu Schusswaffen und Sicherheit herausgefunden hat, weiß Maximilian Küstermann. Der Journalist mit den Schwerpunkten politische Theorie und der politische Ökonomie war im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg.

Maximilian KüstermannDerjenige, der eine Waffe besitzt, wird wahrscheinlicher Opfer einer Schusswaffe. Das steht konträr zu der Annahme, wer eine Waffe besitzt, würde sicherer leben.Maximilian Küstermannschreibt für das Katapult-Magazin und setzt sich im Besonderen mit politischer Ökonomie und Theorie auseinander.Foto: Katapult-Magazin 

Redaktion: Charlotte Muijs