Kino | Tod den Hippies, Eine neue Freundin, Der Nanny

Von (un)glaubwürdigen Geschlechterklischees

26.03.2015

"Der Nanny" spielt mit unglaubwürdigen Geschlechterklischees, "Tod den Hippies, es lebe der Punk" lässt im Berlin der 80er Jahre amerikanische Stripperinnen auf schwule Neonazis treffen und mit "Eine neue Freundin" beweist Francois Ozon einmal mehr das er zu den ganz großen des französischen Kinos gehört.

Der Nanny

Vom Sympathieträger zum Arschloch. Mathias Schweighöfer zeigt sich in seinem neuen Film mal von einer ganz anderen Seite. Als fieser Baulöwe Clemens ist er gerade vollauf damit beschäftigt einen Berliner Kiez dem Erdbochen gleichzumachen. Die alteingesessenen Anwohner sind wenig begeistert und so  macht sich Milan Peschel alias Rolf auf im Namen der anderen zu protestieren. Zur selben Zeit herrscht Clemens tyrannischer Nachwuchs in einem beschaulichen Anwesen außerhalb Berlins. Dort angekommen wird Rolf mit der neuen Nanny verwechselt und das Unheil aus Komik und Klischee nimmt seinen Lauf.

Es ist ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Schweighöfer Fans werden glücklich sein mit dem Film, alle anderen werden wohl eher unglücklich aus dem Kino kommen.

„Der Nanny“ will ein modernes Märchen sein, ist aber vor allem unglaubwürdig und vorhersehbar!

Tod den Hippies, es lebe der Punk!

Oskar Röhlers Hommage an den Punk in Berlin ist auch ein deutscher Film. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Röhler gilt als Enfant Terrible des deutschen Kinos. In „Tod den Hippies, es lebe der Punk!“ hat er teilweise auch sein eigenes Leben verfilmt.  Protagonist Robert zieht aus der Provinz ins wilde Westberlin. Der Dreiklang, nach dem er sich sehnt, besteht aus Roch`n`Roll, Alkohol und Exzess.

Die 80er Jahre, die Röhler hier inszeniert, wirken ein bisschen leblos und playmobilhaft.  Die Erinnerungen Oskar Röhlers an diese Zeit werden mit denen der meisten Menschen wohl nicht konform gehen.

Hier treffen amerikanische Stripperin und schwule Neonazis in einer Mischung aus Groteske und Komödie aufeinander.

Eine neue Freundin

Francois Ozon erzählt die Geschichte von zwei Frauen, Claire und Laura, die seit Kindertagen beste Freundinnen waren. Als Laura stirbt schwört Claire sich um die Tochter ihrer verstorbenen Freundin zu kümmern und staunt nicht schlecht als sich Lauras Mann David als Transvestit entpuppt. Trotz Claires anfänglichen Unverständnis nähren sich die beiden im Laufe des Films immer mehr an. Eine ganz besondere Freundschaft entsteht.

Romain Duris, der den Witwer David spielt, legt eine unglaubliche Lust am Verkleiden und am Spiel mit den Identitäten an den Tag. Egal ob er nun als Mann oder als Frau durch das Bild läuft, es ist eine wahre Freude zuzuschauen.

Ohne Klischees schafft es „Eine neue Freundin“ mit Geschlechterrollen zu brechen und ganz offen und neugierig danach zu fragen, was unsere Identität wirklich ausmacht.

Die Kinoredakteurin Anna WollnerAnna Wollnerempfiehlt diese Woche "Eine neue Freundin"