Klaus Brinkbäumer im Gespräch

"Das Leitmedium, das der Spiegel mal war, kann er gar nicht mehr sein"

12.09.2018

Klaus Brinkbäumer, noch Spiegel-Chefredakteur, spricht über seine Zeit beim Spiegel, aktuelle Herausforderungen des Journalismus und die USA unter Donald Trump.

 - Nachruf auf Amerika: Das Ende einer Freundschaft und die Zukunft des Westen

Nachruf auf Amerika: Das Ende einer Freundschaft und die Zukunft des Westen

(S. FISCHER, bereits erschienen)

Mit Trump kam die Krise

In seinem Buch „Nachruf auf Amerika. Das Ende einer Freundschaft und die Zukunft des Westens“ zeichnet Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer die Krise des liberalen Westens nach. Über die Kluft zwischen Stadt und Land und die Beziehung zwischen Europa und den USA bis hin zur Wahl Donald Trumps. Er fragt sich, was Europa und Deutschland noch mit den USA verbindet und wo die Differenzen unüberbrückbar geworden sind. Er kritisiert außerdem den Umgang mit Trump im Westen.

Wir müssen aufmerksam bleiben, wir müssen ihn Ernst nehmen. Man darf ihn nicht ständig karikieren. Zu viele Medien haben Trump zu lange als Unterhaltungsphänomen behandelt. – Klaus Brinkbäumer

Journalismus: Retter der Demokratie?

Die Krise des Westens ist auch eine Krise des Journalismus. Die Presse wird sowohl in den USA als auch in Deutschland als Feindbild stilisiert. In diesem Kontext wird häufig auch vom Postfaktischen Zeitalter gesprochen. Doch bleiben investigativer Journalismus und ausführliche Recherchen wie das Beispiel #metoo zeigt, weiterhin essentiell. Im Vergleich zu deutschen Medien würden amerikanische mehr investieren:

Das ist eine Form von Hartnäckigkeit und Furchtlosigkeit, die in Deutschland nicht so ganz viele Medien haben. […] Die sich trauen, wirklich in besondere Projekte Zeit, Geld und Manpower zu investieren und das schwindet in Deutschland langsam. Weil Journalismus schlicht heruntergespart wird. – Klaus Brinkbäumer

Der Spiegel: Ende eines Leitmediums?

Die Krise bekommen auch der Spiegel und Klaus Brinkbäumer zu spüren. Zwar wächst das Online-Format Spiegel Online stetig. Doch die Online-Redakteure sind, anders als die Print-Redakteure, nicht Teil der Mitarbeiter KG und damit von Entscheidungen und Gewinnen ausgeschlossen.

Die schleppende Zusammenlegung der beiden Redaktionen soll laut Spiegel-Geschäftsführung Grund dafür gewesen sein, dass der jetzige Chefredakteur Klaus Brinkbäumer ab 2019 von einem Dreiergespann aus der bisherigen Chefin von Spiegel Online Barbara Hans, dem Reporter im Gesellschaftsressort Ullrich Fichtner sowie Steffen Klusmann als Vorsitzender der Chefredaktion abgelöst wird.

Wie er auf seine Zeit beim Spiegel zurückblickt, welche Rolle Journalisten in Zeiten politischer Krisen spielen und wie sich die USA unter Trump positionieren: Das hat detektor.fm Moderator Christian Eichler Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer gefragt. Sein Buch „Nachruf auf Amerika: Das Ende einer Freundschaft und die Zukunft des Westen“ ist beim S. Fischer Verlag erschienen.

Man wird nicht Präsident der USA, wenn man dumm ist oder wenn man nicht weiß, wie man Leute fängt und wie man sich durchsetzt. Klaus Brinkbäumerüber die Fehler in der Berichterstattung über Trump. 

Redaktion: Nora Auerbach