Kolumbien nach dem gescheiterten Referendum

Nein zum Frieden?

04.10.2016

52 Jahre Bürgerkrieg, 220.000 Tote und vier Jahre mühsame Verhandlungen zum Friedensabkommen zwischen Regierung und den FARC-Rebellen. In Kolumbien sollte eine neue Ära beginnen. Aber weil sich die Unterstützer zu sicher fühlten und viele von ihnen nicht zur Abstimmung gingen, konnte eine knappe Mehrheit völlig überraschend den Friedensvertrag ablehnen. Wie geht es jetzt weiter?

Die Regierung in Kolumbien hat in den 60ern Großgrundbesitzer subventioniert, während Kleinbauern um ihre Existenz gekämpft haben. Die soziale Situation der Bauern war katastrophal: Mangelnde medizinische Versorgung und Unterernährung waren absolut keine Seltenheit. Hinzu kam die steigende Unzufriedenheit mit einem politischen System, das die Bauern ausschloss.

Vor 52 Jahren organisierte sich die Guerilla-Organisation FARC-EP. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die autonomen Gebiete der Kleinbauern vor Übergriffen der Großgrundbesitzer und Militärs zu verteidigen. FARC -EP finanzierte sich durch Erpressungen, Entführungen und Drogengeschäfte. Über 200.000 Tote und sieben Millionen Vertriebene  das sind die Zahlen nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg.

Langersehnter Frieden für Kolumbien

In den vergangenen Jahren ist es in Kolumbien unvorstellbar gewesen, dass Regierung und Rebellen sich auf eine gemeinsame Lösung einigen. Das hat sich allerdings geändert. Seit vier Jahren wird über ein Friedensvertrag verhandelt. Mit dem Abkommen sollte der älteste bewaffnete Konflikt Lateinamerikas endlich beigelegt werden.

Am 26. September 2016 beendete die FARC-EP und die Regierung den bewaffneten Konflikt. Der Friedensvertrag wurde im Beisein zahlreicher internationaler Staatsgäste unterzeichnet. Vorgestern fand nun das Referendum über den Friedensvertrag statt.

Überraschendes Nein

Mit dem Kreuz an der richtigen Stelle hätten die Kolumbianer eine neue Ära einläuten können. Aber sie taten es nicht. Mit einer knappen Mehrheit haben sich die Abstimmenden gegen den Friedensvertrag entschieden. Das Ergebnis war ein Schock.

Warum?

Das Friedensabkommen war nicht unumstritten. Die Gegner des Abkommens kritisieren vor allem die relativ milden Strafen für die Guerilleros. Eine große Mehrheit der Kolumbianer will die Anführer der Guerilla im Gefängnis sehen. Ebenso stören sich viele an der Möglichkeit der politischen Beteiligung, die den FARC eingeräumt worden wäre.

Was das Referendum tatsächlich zum Scheitern brachte, war, dass die Kolumbianer überhaupt nicht abgestimmt haben. Nur 37,1 Prozent der Bevölkerung hat an dem Referendum teilgenommen. – Christiane Schwarze, Koordinatorin bei kolko.net

Wie es nun in Kolumbien weitergehen wird, darüber hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Christiane Schwarz von kolko.net gesprochen. Der Verein kolko setzt sich für die Menschenrechte in Kolumbien ein.

Koordinatorin bei kolko.netHauptsächlich zeigt das Ergebnis, dass das Land wirklich polarisiert und gespalten ist. Das ist die Haupt-Message des Referendums.Christiane Schwarzist Koordinatorin bei kolko.net. 

Redaktion: Linh Pham