Kosovo – ein junger Staat ohne Präsident und mit vielen Problemen

31.03.2011

Das Verfassungsgericht im Kosovo erklärte die Präsidentenwahl für ungültig. Doch warum? Und welche Probleme beschäftigen die Kosovaren im Alltag?

Fahrzeug der KFOR-Truppen in Kosovo, wo immer noch rund 1.200 deutsche Soldaten stationiert sind. / © Foto: Steffi Loos (ddp)

ist geborener Kosovare und Journalist.Bahri Caniist geborener Kosovare und Journalist. 

Mit Kosovo assoziieren wir meist sofort Krieg, Armut und Korruption. Am 17. Februar 2008 erklärte die ehemals südliche Provinz von Serbien ihre Unabhängigkeit, unterstützt durch die westlichen Staaten und ohne den Segen der UN. Nur 75 der insgesamt 192 UN-Nationen haben die Unabhängigkeit des Kosovo bislang anerkannt. Serbien, Russland und China gehören nicht dazu.

Das war auch der Grund, warum die NATO im Jahr 1999 die Befreiungsarmee UÇK ohne UN-Mandat mit Luftangriffen gegen Serbien unterstützte. Russland und China hatten im UN-Sicherheitsrat mit ihrem Veto gedroht. Das Eingreifen wurde als humanitärer Einsatz gegen die Menschenrechtsverletzungen der serbischen Sicherheitskräfte gerechtfertigt.

Wie es heute um das junge Land steht, warum die Wahl des Präsidenten Behgjet Paculli als ungültig erklärt wurde und wir der Alltag der Kosovaren ausieht, darüber wollen wir mit Bahri Cani sprechen. Er ist gebürtiger Kosovare und arbeitet als Journalist für die Deutsche Welle.

Eine Perspektive haben die Flüchtlinge im Kosovo nicht.

Die Probleme zwischen den verschiedenen Ethnien in Kosovo seien mitlerweile in großen Teilen des Landes beigelegt. Nur im Norden, wo viele Serben leben, die die Unabhängigkeit Kosovos ablehnen, sind die Probleme weiter ungelöst.

Brisant könnte die Lage für Flüchtlinge aus dem Kosovo in Deutschland werden, denn der Abschiebestopp in Nordrhein-Westfalen läuft heute ab. Damit könnten über 4.000 Menschen in den Kosovo abgeschoben werden. Bahri Cani rät von einer solchen Abschiebeaktion ab, denn die Menschen hätten dort keine Perspektive. Die meisten seien sehr gut in Deutschland integriert. Er denkt vor allem an die Kinder, die hier geboren sind und sich in Kosovo auf die andere Sprache, die Menschen und ganz andere Schulen einstellen müssten.