Krautreporter-Wochenrückblick | Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer, Koalitionsklausur und Bundespräsidentenwahl in Österreich

Was haben wir gelernt?

27.05.2016

Trotz des Deals mit der Türkei ertrinken immer noch Flüchtlinge im Mittelmeer, die SPD ist auf der Suche nach ihrem Profil und in Österreich wäre um ein Haar ein Rechtspopulist Bundespräsident geworden. Die Themen der Woche im Rückblick mit Krautreporter Christian Fahrenbach.

Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer

In den letzten Monaten hat die Zahl der Menschen, die nach Europa geflüchtet sind, abgenommen. Auch deswegen ist das Thema nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Umso überraschender trafen einen die Bilder, die die italienische Küstenwache in dieser Woche veröffentlicht hat. Sie zeigen ein kenterndes Flüchtlingsboot, auf dem sich etwa 500 Menschen befanden. Bei der Rettungsaktion sind mehrere von ihnen gestorben – wie viele genau weiß man nicht.

Allein in dieser Woche sollen bis zu 10.000 Flüchtlinge in Booten versucht haben, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Wegen des guten Wetters ist mit einem Abbruch des Stroms nicht zu rechnen.

Aus den Nachrichten dieser Woche lernen wir: Die Flüchtlingskrise im Mittelmeer ist noch lange nicht gelöst.

Karte: Flüchtlingstode an Europas Grenzen

Das Projekt The Migrants‘ Files zeigt das Ausmaß der Katastrophe in der Vergangenheit. Auf der Karte sollen die vielen einzelnen, anonymen Todesfälle der Flüchtlinge zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden.

(Die Daten, auf denen diese Karte beruht, reichen nur von 2000 bis April 2015.)

Die SPD-Kanzlerkandidatur als Himmelfahrtskommando

Bei ihrer Koalitionsklausur auf Schloss Meseberg in Brandenburg haben sich CDU und SPD getroffen, um für das nächste Jahr zu planen. Festgelegt werden sollten die Themen der Regierungsarbeit bis zur Bundestagswahl – das einzige greifbare Ergebnis ist jedoch die Einigung zum Integrationsgesetz.

Viel mehr konnten wir aus dem Treffen aber über den Zustand der SPD lernen. Streitthemen haben es nicht auf die Tagesordnung geschafft, SPD und CDU gaben sich harmonisch. Dabei wäre es gerade für die SPD Zeit, in den Wahlkampfmodus umzuschalten und ihr Profil zu schärfen – bislang erfolglos. Auch die Kanzlerfrage treibt die Partei weiterhin um:

Wenn du dir Chancen ausrechnest, bei der SPD irgendwann in deiner politischen Karriere mal Kanzlerkandidat zu werden, dann hältst du jetzt schön still und hoffst darauf, dass es in vier Jahren eine bessere Stimmung gibt. – Krautreporter Christian Fahrenbach

Angesichts ihrer schlechten Umfragewerte zeige sich die SPD aber eher resigniert, sagt Krautreporter Christian Fahrenbach.

Österreich bleibt gespalten

Anfang der Woche hielt Österreich ganz Europa in Atem. Schon am Sonntag haben die Österreicher gewählt, doch das Endergebnis gab es erst am Montag – dann erst wurden die Briefwahlstimmen ausgezählt.

Wahlsieger war überraschend der von den Grünen unterstützte Kandidat Alexander Van der Bellen. Trotzdem hat fast genau die Hälfte der Österreicher dem Rechtspopulisten Norbert Hofer ihre Stimme gegeben. Nachwahlbefragungen zeigen: Seine Wähler sind häufiger männlich, schlechter gebildet und haben ein niedrigeres Einkommen.

Was können wir aus den Debatten und Themen der Woche lernen? Das fragt detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg im Wochenrückblick den Krautreporter Christian Fahrenbach.

NEW YORK, NY - JAN. 24, 2014: Ben Smith of Buzzfeed speaks to Tow-Knight EJ Fellows at a site visit. 01/24/2014 BY HEATHER MARTINODie Zahlen der Flüchtlinge, die übers Meer nach Europa kommen, steigen weiter und man vergisst dabei, dass individuelle Menschenschicksale betroffen sind.Christian Fahrenbach ist Journalist bei den Krautreportern und blickt mit uns auf die Themen der Woche zurück.  
Der Wochenrückblick mit Krautreporter - Flüchtlinge im Mittelmeer, verzweifelte SPD und gespaltenes Österreich