Leerstehende Flüchtlingsnotunterkünfte

"Planlos, wie die Kommunen agieren"

22.08.2016

Vor einem Jahr ist der Bedarf der Kommunen noch groß gewesen, heute stehen viele von ihnen leer: Flüchtlingsnotunterkünfte aus Containern und Traglufthallen. Unternehmen, die damals flexibel und spontan gehandelt haben, bleiben jetzt auf ihren Kosten sitzen – denn einige Kommunen wollen für leerstehende Notunterkünfte nicht komplett zahlen.

Spätsommer 2015: Hunderttausende geflüchtete Menschen kommen nach Deutschland und brauchen dringend ein Dach über dem Kopf. Im Schnellverfahren werden bis zum Winter aus Zelten und Containern erste Flüchtlingsnotunterkünfte aufgestellt.

Im Herbst 2015 wollen Kommunen dann in großem Maße Container für die Unterbringung der Geflüchteten mieten. Um dem enormen Bedarf gerecht zu werden, kaufen daraufhin Unternehmen wie das von Peter Bonitz ein großes Kontingent von Containern und bezahlen zunächst zu 100 Prozent aus eigener Kasse. Eine Investition mit Risiko:

Wir haben teilweise erst Wochen oder Monate später das Geld bekommen. – Peter Bonitz, Geschäftsführer einer Container-Firma

Flüchtlingsnotunterkünfte stehen leer, Kommunen wollen nicht zahlen

Zurück ins Jahr 2016: Durch das Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei, aber auch wegen der geschlossenen Balkanroute kommen seit Frühling deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland. Deswegen sehen die Kommunen keinen Bedarf mehr für die Flüchtlingsnotunterkünfte und weigern sich mitunter, für die leerstehenden Container und Traglufthallen zu zahlen.

Dabei deuteten bestehende Mietverträge mit den Kommunen eigentlich auf Planungssicherheit für Unternehmer wie Peter Bonitz hin, die teils Millionenbeiträge in Vorleistung investiert hatten.

Doch die Verträge seien angesichts der sinkenden Flüchtlingszahlen und dem damit verbundenen Leerstand teilweise vorzeitig gekündigt worden, so Bonitz. Er sei sogar dazu aufgefordert worden, einzulenken und auf die Hälfte des Geldes zu verzichten, berichtet der Berliner Unternehmer.

Überangebot an Containern

Die einst dringend benötigten Container werden heute massenweise zurückgegeben und stehen nun in den Depots der Unternehmer. Bonitz sieht die Gründe dafür vor allem in der fehlenden Koordination zwischen den Einrichtungen und den Kommunen. Die Kosten der Gemeinden müssen schrumpfen, daher werden Container inklusive Einrichtung wieder zurückgegeben. Allerdings liefe das alles ohne konkretes Konzept, so Bonitz.

Das ist hier nach dem Prinzip: Rette sich, wer kann! – Peter Bonitz

Warum Container-Firmen derzeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben und was aus Sicht der Unternehmer bei der Planung von Flüchtlingsnotunterkünften falsch läuft darüber hat detektor.fm-Moderatorin Anke Werner mit dem Unternehmer Peter Bonitz gesprochen.

Flüchtlingsunterkünfte Interview Peter Bonitz_privatIch habe die Befürchtung, dass der Mietcontainer-Markt zusammenbrechen wird.Peter Bonitzist Geschäftsführer einer Firma, die im Schnellverfahren Kommunen mit Notunterkünften für Geflüchtete versorgt hat. 

Redaktion: Friederike Rohmann