Libyen: Wie lange kann Gaddafi seine Macht noch behaupten?

04.03.2011

In Libyen herrschen seit Wochen schwere Unruhen. Die Bevölkerung rebelliert gegen die Herrschaft Gaddafis - und der erkauft sich Mehrheiten. Heute kam es erneut zu schweren Ausschreitungen.

Muammar Gaddafi während des G8-Gipfels 2009 in L`Aquila. Damals vom Westen hofiert. / © Michael Gottschalk (dapd)

Die Lage in Nordafrika beschäftigt die Welt seit mehreren Wochen. Besonderer Brennpunkt im Moment ist Libyen. Seit Tagen kämpfen Aufständische gegen das Regime von Muammar Gaddafi, der das Land seit mehr als 40 Jahren regiert. Sein Volk leidet unter der zunehmenden Unterdrückung des Machthabers und seines Clans. Die Proteste auf den Straßen des Landes ließ Gaddafi zum Teil gewaltsam niederschlagen. In Interviews leugnete er zudem, dass es überhaupt Aufstände im Land gebe.

Afrikaexperte bei der SWP in Berlin.Asiem El DifraouiAfrikaexperte bei der SWP in Berlin. 

Am letzten Wochenende verhängte der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Libyen. An der Situation vor Ort änderte sich seitdem wenig. Am heutigen Freitag soll es nun neue Demonstrationen von Gaddafi-Gegnern geben. Zusammenstöße mit Regime-Anhängern werden seit Stunden gemeldet. An der libysch-tunesischen Grenze werden durch die EU tausende Menschen in Sicherheit gebracht. US-Präsident Barack Obama verkündete gestern, er schließe einen weitergehenden Militäreinsatz gegen Libyen nicht aus. Das Land halte sich alle Optionen offen.

Merkwürdige Szenen sollen sich heute zudem auf dem Grünen Platz in der libyschen Hauptstadt Tripolis abgespielt haben: Gaddafi-Gegner riefen offenbar: „Das Volk will den Sturz des Oberst Gaddafi“, und ihnen gegenüber soll eine Gruppe gestanden haben, die rief „Das Volk WILL Muammar, den Oberst“. Man fragt sich also: Wer oder was ist das Volk eigentlich – und was will es wirklich? Oder gibt es DAS Volk in diesem Fall vielleicht gar nicht? Die Frage geht an Asiem El Difraoui. Er forscht bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in der Forschungsgruppe naher Osten und Afrika.