Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und Iran

Von Frieden keine Spur

17.11.2017

Wer denkt, dass sich mit dem militärischen Sieg über den IS die Lage im Nahen Osten entspannt, liegt falsch. Ob im Jemen, Irak oder in Syrien – Die Konflikte gehen weiter und drohen zu eskalieren. Die vielleicht wichtigsten Akteure dabei: Saudi-Arabien und der Iran.

Saudi-Arabien als Schutzmacht

Schon seit Jahrhunderten brodelt der Konflikt zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen. Doch der ehemals theologische Konflikt hat seit einigen Jahren eine neue Qualität.

Diese Form von blutiger Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten, wie wir sie inzwischen erleben, hat es bisher nicht gegeben. – Andreas Zumach, Journalist und UN-Korrespondent in Genf

Nahe OstenWenn sich die Veto-Mächte der UNO nicht einigen können, ist der Sicherheitsrat blockiert. Das befürchte ich auch für eine Eskalation zwischen Iran und Saudi-Arabien.Andreas Zumachist Journalist, Publizist und UN-Korrespondent in Genf. 

Die beiden Regionalmächte im Nahen Osten, Saudi-Arabien und der Iran, sehen sich als Schutzmächte der beiden Auslegungen des Islams. Mit dieser machtpolitischen Ebene wird ein ehemals vor allem theologischer Konflikt immer mehr zum Motiv für bewaffnete Auseinandersetzungen. Ob sich Saudi-Arabien und der Iran dabei direkt bekriegen werden, ist schwer vorherzusagen. Doch ihre Rivalität bedroht in jedem Fall die ganze Region.

Wir werden auch in Zukunft beobachten, dass dieser Konflikt anhand der Stellvertreter ausgetragen wird. Da halte ich eine militärische Konfrontation für sehr wahrscheinlich. – Daniel Gerlach, Chefredakteur des Nahost-Magazins zenith

Kriegsschauplatz Libanon?

Besonders die jüngste Eskalation um den Libanon macht deutlich, dass der kleine Küstenstaat vielleicht der nächste Austragungsort eines Stellvertreterkrieges werden könnte.

Ein Szenario ist, dass eine Auseinandersetzung von Syrien aus in den Libanon überschwappen kann. Wenn das passiert, dann kann so etwas wie ein regionaler Krieg wirklich eskalieren. – Daniel Gerlach

Naher OstenWenn Saudi-Arabien zerfällt, könnten noch mächtigere radikale Kräfte an die Macht gelangen. Dann droht ein echter wahabitischer Terrorstaat.Daniel Gerlachist Chefredakteur des Nahost-Magazins "zenith". Foto: © Marcel Mettelsiefen 

Die aggressive Machtausweitung des Irans und die neue saudische Politik könnten also jederzeit zu weiteren Eskalationen führen. Damit bedrohen Sie die ganze Region.

Wie geht es weiter im Nahen Osten? Wer ist verantwortlich für die fortlaufende Krise und wer könnte etwas an der Situation verbessern? detektor.fm-Redakteur Julian Christ hat sich diesen Fragen gewidmet und dafür mit den Publizisten Daniel Gerlach und Andreas Zumach gesprochen.