Merkel-Besuch auf dem Balkan

Das sichere Pulverfass

08.07.2015

Der Balkan ist eine der ärmsten Regionen Europas, mit einer konfliktreichen Vergangenheit, die bis heute nachwirkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich heute für einen zweitägigen Besuch in die Region begeben. Stationen ihrer Reise sind Albanien, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Wie steht Deutschland heute zu dieser Region?

Harte Fronten

Im 20. Jahrhundert sind auf dem Balkan tiefe Gräben gezogen worden, die sich politisch, wirtschaftlich und auch gesellschaftlich bemerkbar machen. Seit Jahrhunderten ist der Balkan ein Zankapfel externer Einflüsse. Abwechselnd haben das osmanische Reich, das zaristische Russland oder europäische Imperien ihre Spuren in der Region hinterlassen. Die komplizierte Melange verschiedener Ethnien und Nationen hat schließlich in den 1990er Jahren übergekocht. Gewalttätige Konflikte waren die Folge. Als Konsequenz stehen sich teilweise noch heute Volksgruppen verfeindet gegenüber. So will zum Beispiel Serbien den Kosovo nicht als eigenen Staat anerkennen, da dieser einst serbisches Staatsgebiet war.

Sichere Herkunftsländer?

Bis heute fliehen viele Menschen aus der Balkan-Region, auch in Richtung Deutschland. So kamen rund 20 Prozent der Menschen, die einen Erstantrag auf Asyl stellten, aus Alabanien. Insgesamt ist der Balkan mit ungefähr 30 Prozent der Asylbewerber vertreten. Ein Grund für die Flucht ist unter anderem die extreme Armut. Aber auch die Diskriminierung von Minderheiten, wie z.B. der Roma, veranlasst die Menschen dazu das Weite zu suchen. Nun plant die Bundesregierung einige der Balkan-Staaten als „sichere Herkunftsländer“ zu definieren. Das würde die Ablehnung von Asylbewerbern aus diesen Länder erheblich erleichtern.

Zankapfel Balkan

Deutschland hat also ein Interesse daran, die Situation auf dem Balkan zu stabilisieren. Immerhin ließe sich so womöglich auch der Flüchtlingsstrom vom Balkan verringern. Die Europäische Union hat ein Interesse daran, den Balkan nicht unter russischem Einfluss zu sehen. So hat die EU in den letzten Jahren mit vielen Balkanstaaten Beitrittsverhandlungen zur EU aufgenommen. Kroatien ist beispielsweise schon 2013 EU-Mitglied geworden. Es bleiben jedoch gewisse Hürden und diplomatische Herausforderungen. Zum Beispiel die Nichtanerkennung des Kosovos durch Serbien. Ohne ein deutsches Interesse hätte sich die Kanzlerin sicher nicht die Zeit genommen, während des Griechenland-Trubels für zwei Tage den Balkan zu besuchen.

In was für einem Verhältnis Deutschland zum westlichen Balkan steht, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Christian Schwarz-Schilling gesprochen. Er ist Bundesminister a.D. und ehemaliger Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina.

als Vermittler in interethnischen Konflikten im Balkan tätig.Ich halte diese Flüchtlingspolitik von Seiten Deutschlands für nicht vernünftig.Christian Schwarz-Schillingist Bundesminister a.D. und ehemaliger Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina 

Redaktion: Richard Hees.