Minister ohne Aufmerksamkeit

In der Versenkung verschwunden

20.03.2015

Wenn man bei Gerd Müller zuerst an Fußball und nicht an wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung denkt, kommt das nicht von ungefähr. Es gibt Minister, die verschwinden in der medialen Versenkung, andere sorgen jede Woche für neue Schlagzeilen. Warum tun sich manche Minister schwer im Umgang mit Medien - und ist das ein Zeichen für Stillstand in ihrem Ressort?

Still und unscheinbar

Juni 2014: Angela Merkel rügt öffentlich Johanna Wanka und Christian Schmidt dafür, ihre Ressorts zu unscheinbar zu leiten. Die Bildungsministerin und der Landwirtschaftsminister würden kaum in Erscheinung treten und nicht genügend Ergebnisse liefern.

Noch immer gibt es nach 15 Monaten Regierungszeit Minister, die in der Bevölkerung Fragezeichen auslösen. Namen wie Hermann Gröhe und Barbara Hendricks sind nicht jedem geläufig. In Umfragen wie dem „Deutschlandtrend“ tauchen regelmäßig der Außen- und Innenminister auf und erreichen auch hohe Beliebtheitsraten. Die Ressorts Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft und Umwelt geraten dagegen schnell in Vergessenheit.

Bürokratische Strukturen

Oft hängt mediale Aufmerksamkeit mit der Persönlichkeit eines Politikers zusammen. Doch auch die Strukturen der Ministerien selbst unterscheiden sich und tragen dazu bei, dass manche Ministerien mehr beachtet werden als andere. So verfügt das Bildungsministerium beispielsweise über einen hohen Etat, aber Bildung ist Ländersache und die Ministerin muss sich mit 16 Kultus- und Wissenschaftsministern abstimmen.

Es kommt auch vor, dass Kompetenzen verschoben werden. So wanderte die Zuständigkeit für die Energiewende vom Umweltministerium zu Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und zog eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit für Gabriel nach sich.

Politisches Kalkül

Aufmerksamkeit bedeutet nicht automatisch Effektivität. Hermann Gröhe beispielsweise gehört zu den Ministern, die unauffällig, aber erfolgreich arbeiten. Der Gesundheitsminister hat bislang Beitragssätze angehoben, um unter anderem mehr Pflegekräfte beschäftigen können und er plant eine Termingarantie bei Fachärzten. Doch diese stillen Erfolge reichen der Bundeskanzlerin nicht. Sie hat das Gesundheitsministerium an Hermann Gröhe vergeben, um das soziale Profil der Union zu schärfen.

Ohne Öffentlichkeit und Aufsehen kann Merkels Plan nicht aufgehen, während die SPD unterdessen im Arbeits- und Sozialministerium und im Ressort Familie in ihren traditionellen Bereichen punkten kann.

detektor.fm-Moderatorin Theresa Nehm hat mit Dieter Wonka über die mediale Unscheinbarkeit einiger Bundesminister gesprochen. Wonka ist Berlin-Chefkorrespondent der Madsack Mediengruppe, der unter anderem die Leipziger Volkszeitung und die Neue Presse gehören.

BerlinEs gibt Minister und Ministerinnen zweier Klassen, nämlich die einen, die möchten mehr werden, als das was sie sind und tun was dafür. Und andere, die sich so doll darüber freuen, dass sie überhaupt mal was geworden sind, dass sie fortan beschließen, jetzt ihr Ressort nur noch zu verwalten. Dieter Wonkaist Berlin-Chefkorrespondent der Madsack Mediengruppe 

Redaktion: Lisa Hänel