Wie sich die Nato verändern will

Krieg oder Frieden

09.11.2017

Deutschland ist ein wichtiges Mitglied im Militärbündnis Nato. Der wichtigste Stützpunkt ist momentan Afghanistan. Dort sollen die Nato-Truppen nun aufgestockt werden. Die Veränderungen gehen aber noch weiter.

Angespannte Sicherheitslage

Ende März dieses Jahres hat die Firma Optronic mehrere Stellen ausgeschrieben: Sie suchte russischsprachige Statisten für einen Nato-Trainingseinsatz. Die Statisten sollten die zivile Bevölkerung in einem Krisengebiet darstellen, um den US-Soldaten ein möglichst realistisches Übungsszenario zu bieten. Inzwischen gibt es konkrete Pläne zur internen Veränderung der Nato-Kommandostruktur. Erstmals seit Ende des Kalten Krieges sollen neue Kommandozentren entstehen. Damit setzt das Verteidigungsbündnis auf Abschreckung.

Russland hat durch die Annexion der Krim in Europa eine neue Lage geschaffen und die Nato hat dann umgeschwenkt und erklärt, dass dieses Russland nicht mehr länger Partner, sondern – zwar auch nicht ein Gegner – aber zumindest ein strategischer Herausforderer ist. – Johannes Varwick, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Halle

Zuletzt hatten die Verteidigungsminister der Bündnis-Länder 2011 die Verkleinerung der internen Struktur beschlossen. Wegen der Finanzkrise waren sie gezwungen, sehr viel sparsamer zu wirtschaften. Es folgte der Abbau zahlreicher Stellen und Hauptquartiere. Angesichts der veränderten politischen Weltlage und der neuen russischen Außenpolitik, wollen die Minister der NATO diesen Rückbau nun korrigieren.

Die Nato rüstet auf

Die genauen Änderungen sehen vor, den Einsatz von Truppen in Afghanistan zu erhöhen, die Cyber-Abwehr der NATO zu stärken und zwei weitere Hauptquartiere zu errichten. Davon soll eines den Seeweg zwischen Nordamerika und Europa sichern. Das zweite geplante Hauptquartier ist zur Verbesserung der militärischen Logistik gedacht. Wo genau das Bündnis die Kommandozentren errichtet, ist zwar noch nicht festgelegt, allerdings ist Deutschland für den Logistik-Stützpunkt im Gespräch. Denn Deutschland ist einer der wichtigsten Partner des Bündnisses. Außerdem liegt es mit seiner zentralen Position strategisch besonders günstig.

Da geht es eigentlich nur darum, dass Truppen-Verlegungen auch von operativer Planung begleitet werden müssen. Und da gibt es eine ganze Reihe von Defiziten. Es geht aber nicht um Zehntausende an Truppen, sondern das sind militärische Führungseinrichtungen, die das, was operativ geplant wird, umsetzen sollen. – Johannes Varwick

Über die kommenden Veränderungen der Nato und ihre politischen Auswirkungen hat detektor.fm Moderatorin Doris Hellpoldt mit Prof. Dr. Johannes Varwick von der Martin-Luther-Universität Halle gesprochen.

foto t & w
dr. johannes varwickGleichzeitig müssen wir aber, und das weiß auch die NATO und das muss sie vielleicht noch stärker machen, ein neues politisches Kooperationsangebot an Russland machen. Wir brauchen politische Lösungen der Konflikte, wir müssen mit Russland reden. Johannes VarwickProfessor für internationale Beziehungen und europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.