Fünf Jahre NSU und Cumhuriyet-Verhaftungen

"Sie müsste nur den Mund aufmachen"

02.11.2016

Fünf Jahre nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds sind viele Fragen offen. Etwa, welche Rolle der Staat spielte. Der Türkische Staat geht derweil weiter gegen oppositionelle Journalisten vor.

Über die Debatten der Woche sprechen wir jeden Mittwoch mit den Kollegen der taz. Immer gegen 08:15 Uhr in unserer Sendung "detektor.fm Am Vormittag".

NSU – Jubiläum mit vielen Fragezeichen

Am 04. November 2011 erschossen sich die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Wohnmobil in Eisenach. Vorher sollen sie das Fahrzeug noch in Brandt gesetzt haben. Es ist eine der Ungereimtheiten im Bezug auf den NSU, der für mindestens 10 Tote und zahlreiche Überfälle verantwortlich gemacht wird.

Aufschluss darüber, wie die Böhnhardt, Mundlos und ihre Komplizin Beate Tschäpe mehr als ein Jahrzehnt lang im Untergrund leben und Menschen ermorden konnten, soll der Prozess gegen Tschäpe geben, die einzige Überlebende des NSU-Trios. Doch auch zweieinhalb Jahre nach Prozessbeginn sind viele Fragen ungeklärt.

Welche Rolle spielte Tschäpe selbst, wie funktionierte das Unterstützernetzwerk und welche Rolle spielten V-Männer der Sicherheitsbehörden? Fragen, die vor allem eine beantworten könnte: Die Hauptangeklagte Beate Tschäpe. Doch sie schweigt zu den genauen Abläufen, will von der Planung nicht gewusst haben.

begnete in Dublin verärgerten Demonstranten.Angela Merkel hat auf einer Trauerfeier den Hinterbliebenen versprochen, dass Deutschland die vollste Aufklärung leisten wird. Aber davon sind wir sehr weit entfernt.Anne FrommDie Medienredakteurin der taz glaubt nicht, dass alle Fragen rund um die NSU-Komplex aufgeklärt werden. Foto: privat 

Türkei – der schleichende Tot der Demokratie

160 Redaktionen wurden seit dem Putschversuch in der Türkei Ende Juli geschlossen. 3.000 Journalisten haben ihren Job verloren, 130 wurden verhaftet. Am Montag traf es auch Redakteure der Cumhuriyet, der größten regierungskritischen Zeitung der Türkei.

Die Verhaftungen sorgten weltweit für Aufsehen. Die Cumhuriyet galt bisher als letzte Bastion der Opposition, ein Vorgehen des Staates gegen die Zeitung galt als unwahrscheinlich. Auch, wenn mit dem Kolumnisten Can Dündar bereits der ehemalige Cumhuriyet-Chefredakteur vor Gericht stand.

Beobachter sehen daher in den Verhaftungen einen nächsten Schritt der Regierung, um die kritische Presse ruhig zu stellen. Das sei eine Gefahr für die türkische Demokratie, warnte Dündar selbst in einem Interview.

Wie es um die freie Presse in der Türkei bestellt ist und wie das Fazit fünf Jahre nach dem Auffliegen des NSU aussieht, hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Anne Fromm von der Tageszeitung besprochen.


Jeden Tag erfahren, was wichtig wird? Dann den Podcast “Was wichtig wird” abonnieren oder jederzeit bei iTunesSpotify und Soundcloud hören.