Oma Anni im Berliner Wahlkampf und ein Algorithmus, der Hasskommentare erkennt

Oma Anni mischt die Hauptstadt auf

10.08.2016

Eine trügerische Ikone: Auf einem Wahlplakat der Linkspartei wird Oma Anni zum Symbol für deren Wohnungspolitik. Blöd nur, dass sie SPD wählt. Über die Rolle der 95-Jährigen im Berliner Wahlkampf und einen Algoritmus, der Hasskommentare erkennen soll, sprechen wir mit Anne Fromm von der taz.

Über die Debatten der Woche sprechen wir jeden Mittwoch mit den Kollegen der taz. Immer gegen 08:15 Uhr in unserer Sendung "detektor.fm Am Vormittag".

Oma Anni mischt mit

Wenn ein Plakat zum Eklat wird. Die 95-jährige Berliner Rentnerin Anni Lenz ziert ein aktuelles Wahlplakat der Linkspartei. Über ihr steht „Mietrebellin“ und darunter „Oma Anni bleibt“. Lenz wohnt in einer Siedlung im Norden von Berlin und kämpft zusammen mit Ihren Nachbarn gegen einen Investor, der die Mieten erhöhen will.

In einem Interview mit dem Berliner Kurier hat die Rentnerin jedoch verraten, dass sie schon immer die SPD gewählt habe und auch weiterhin wählen werde. Grund genug für die Berliner SPD auf Twitter das Plakat leicht abzuändern: „Oma Anni bleibt SPD-Wählerin“.

Damit haben sich die Sozialdemokraten allerdings ein Eigentor geschossen, da sie 2004 selbst die Wohnungsbaugesellschaft GSW inklusive Oma Annis Siedlung verkauft haben, so der Grünen-Politiker Andreas Otto. Und die Retourkutsche folgte auf dem Fuße von SPD-Mann Christian Gaebler auf Twitter: „Die Grünen mit Jochen Esser wollten doppelt so viele Wohnungen verkaufen“.

begnete in Dublin verärgerten Demonstranten.Das ist ziemlich peinlich für alle Parteien. Die stehen jetzt ziemlich dumm da und so richtig elegant ist da bisher noch niemand rausgekommen.Anne Frommarbeitet als Meinungsredakteurin bei der taz. 

Das Ende von Schwarz-Rot

Der Zoff zwischen den drei linken Parteien, ist deshalb so kurios, weil sie zukünftig zusammen die Hauptstadt regieren werden, wenn man aktuellen Hochrechnungen glaubt. Denn der schwarz-rote Senat sei so zerstritten, dass eine zweite Amtszeit undenkbar sei. Und auch wenn AfD und CDU bei den Wahlen am 18. September mehr Stimmen erhalten würden als Rot-Rot-Grün, so hat die CDU eine solche Koalition bereits ausgeschlossen.

Wenn Hasskommentare sich von selbst löschen

Wer im letzten Jahr mal die Kommentarspalten auf Facebook oder größeren Nachrichtenseiten überflogen hat, der ist mit Sicherheit schon über sie gestolpert: Hasskommentare. Die sind auch der Bundesregierung ein Dorn im Auge und so hatte sich Bundesjustizminister Heiko Maaß zusammen mit Facebook, Google und Twitter im Dezember darauf geeinigt, das speziell beauftragte Experten verstärkt Hasskommentare analysieren und löschen sollen. Die könnten bald überflüssig sein, denn Yahoo hat einen Algorithmus entwickelt, der Hasskommentare eigenständig erkennt und löscht.

Wie der funktioniert und was das Oma-Anni-Debakel für die Berliner Politik bedeutet, hat taz-Meinungsredakteurin Anne Fromm im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Christian Eichler erklärt.


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