Papst-Besuch auf Lesbos, Cameron nach den Panama-Leaks

Panama und Brexit: "Es geht nicht um Zahlen."

11.04.2016

Nach den Ausschreitungen im Flüchtlingslager Idomeni zeichnet sich ab, dass die Flüchtlingskrise auch diese Woche Thema bleibt – zumal der Papst die griechische Flüchtlingsinsel Lesbos besuchen wird. Außerdem: Was bedeuten die Panama-Enthüllungen über Cameron für einen möglichen Brexit? Der Blick auf die neue Woche mit Lenz Jacobsen von Zeit Online.

Zwiespältige Bilanz nach einer Woche Türkei-Abkommen

Seit einer Woche ist das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei in Kraft. Im Ergebnis ist die Zahl der Flüchtlinge, die unter anderem in Deutschland ankommen, drastisch gesunken. Andererseits verschärft sich die Situation beispielweise in Griechenland weiter. Bilder wie die von den Ausschreitungen in Idomeni am vergangenen Wochenende könnten nun häufiger in den Nachrichten zu sehen sein, denn tausende verzweifelte Menschen sitzen mittlerweile an Schlüsselorten wie diesem Lager fest.

In dieser angespannten Lage stehen zwei hochprofilige Besuche in Sachen Flüchtlingskrise an. Der Papst reist auf die griechische Insel Lesbos, Angela Merkel plant einen Besuch in einem türkischen Flüchtlingslager an der Grenze zu Syrien. Beides wird zumindest neue Aufmerksamkeit auf die Menschen in diesen Lagern lenken.

Noch viel wichtiger seien solche Besuche allerdings, weil dabei die Verantwortlichen mit den Folgen ihrer politischen Entscheidungen konfrontiert würden, sagt Lenz Jacobsen von Zeit Online.

Die Panama-Leaks und ihre Folgen

Nach den Enthüllungen aus den Panama-Papers geht es jetzt an vielen Stellen darum, angemessen darauf zu reagieren. Bundesfinanzminister Schäuble will mit einem Zehn-Punkte-Plan effektiver und strenger gegen Steuerbetrug und Geldwäsche in Steueroasen vorgehen. Für soviel Proaktivität hat der britische Premier David Cameron im Moment keine Zeit, er steht im Zusammenhang mit den Panama-Leaks nach wie vor selbst unter Druck. Zuletzt hat Cameron seine Steuererklärungen der letzten sechs Jahre veröffentlicht, aber es ist fraglich, ob das ausreicht, um seine wackelige Position wieder zu stabilisieren.

Vor Panama waren es ja vor allem die Bedenken rund um einen möglichen Brexit, die Europa mit Blick auf Camerons Politik beschäftigt haben. In welche Richtung bewegt sich das Vereinigte Königreich jetzt? Wird die Zustimmung der Briten zum Brexit durch Camerons akutes Glaubwürdigkeitsproblem noch befeuert?

Warum es jetzt um mehr als Zahlen in alten Steuererklärungen geht, erklärt Lenz Jacobsen von Zeit Online im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt.

Diese Besuche sind wichtig, weil dann die Verantwortlichen mit den Folgen ihrer Entscheidungen konfrontiert werden.Lenz JacobsenPolitik- und Meinungsredakteur bei Zeit Online