Übern Teich | Papst vs. Trump: Religion im Wahlkampf

Republikaner wünschen keine Einmischung

22.02.2016

Der Papst hat keine netten Worte für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald J. Trump übrig. Aber hat das Oberhaupt der katholischen Kirche überhaupt Einfluss auf die US-Politik und den Wahlkampf? Und wie haben die anderen Kandidaten auf die Äußerungen des Kirchenoberhauptes reagiert?

Papst gegen Milliardär

Während seiner Reise durch Mexiko ist das Thema Immigration ein zentrales Anliegen des Papstes gewesen. Besonders während einer Messe in der Grenzstadt Ciudad Juárez hat der Papst die Einwanderungspolitik der USA kritisiert. Auf seinem Rückflug von Mexiko nach Rom wurde er deshalb auch nach seiner Meinung zu Donald Trump gefragt, der mit radikalen Maßnahmen gegen illegale Einwanderer immer wieder provoziert. Der Papst hat klare Worte für den Präsidentschaftskandidaten:

Ein Mensch, der nur daran denkt, Mauern zu bauen und nicht Brücken, der ist nicht christlich. Das ist nicht das Evangelium. […] Ich sage nur: Dieser Mensch ist kein Christ, wenn er das so sagt. – Papst Franziskus

Trump, der keine Gelegenheit auslässt, um sich selbst zu profilieren, hat auf Facebook eine schnelle Antwort parat:

If and when the Vatican is attacked by ISIS, which as everyone knows is ISIS’s ultimate trophy, I can promise you that the Pope would have only wished and prayed that Donald Trump would have been President because this would not have happened. – Donald J. Trump

Die Trump-Wähler hat der Papst mit seinem Statement wohl nicht überzeugen können, denn am vergangenen Wochenende konnte Trump nach der Vorwahl in New Hampshire auch in South Carolina die meisten Stimmen der Republikaner sammeln.

Einmischung unerwünscht

Auch die restlichen Präsidentschaftskandidaten sehen die Äußerungen des Papstes eher kritisch. Selbst John F. Kennedy, der erste und bisher einzige katholische US-Präsident, musste im Wahlkampf mehrfach betonen, dass der Papst keinen Einfluss auf ihn nehmen kann.

Über den Einfluss des Papstes auf den US-Wahlkampf hat detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf mit Alexander Görlach gesprochen, der zurzeit Gastwissenschaftler in Harvard ist.

. forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke.Man hat es schon als ziemlich rüde empfunden, wie Trump den Papst so abgekanzelt hat. Aber gleichzeitig, so hat es Trump einmal selber gesagt, könne er jemanden auf der 5th Avenue in New York erschießen und hätte immer noch die gleichen Umfragewerte. Das ist im Moment leider so.Alexander Görlachforscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke. 

Redaktion: Christopher van der Meyden


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