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Kann Meral Aksener genug Unterstützer hinter sich versammeln, um Recep Tayyip Erdoğan als Präsident zu gefährden? Foto: Adem Altan / AFP
Bild: Adem Altan | AFP

Parteigründung durch Meral Aksener in der Türkei

Die neue Angela Merkel der Türkei?

Der türkische Präsident Erdoğan lenkt die Türkei zielstrebig in eine islamistische Autokratie. Doch diesen Plänen stellt sich nun eine neue oppositionelle Kraft entgegen und zwar aus Sicht von Erdoğan ausgerechnet eine Frau. Eine Bedrohung für den Patriarchen?

Aufbruchstimmung in der Türkei

Die ehemalige türkische Innenministerin Meral Aksener hat eine neue Partei gegründet: „Iyi Parti“, die „Gute Partei“. Aksener und ihre Partei wollen eine neue politische Kraft bilden. Mit keinem geringeren Ziel als einem Machtwechsel bei den Wahlen 2019. Mit welchen politischen Inhalten das geschehen soll, ist allerdings bisher kaum bekannt.

Das Parteiprogramm sagt bisher noch nichts aus. Es wird stark davon abhängen, wie sich die Partei im kommenden Vorwahlkampf präsentieren wird. – Kristian Brakel, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung Istanbul

Zumindest in einigen Parolen, mit denen Meral Aksener ihre Anhänger beschwört, bezieht sie sich auf den türkischen Staatsgründer Kemal Atatürk. Der war im Gegensatz zu Erdoğan Verfechter einer pro-westlichen und säkularen Türkei. Doch bedrohlich für den türkischen Präsidenten ist wohl auch das Geschlecht seiner neuen Konkurrentin.

Wichtig ist, dass sie eine Frau ist. Deswegen werden bestimmte Personenkreise sie zwar nicht wählen, es wird für Erdoğan aber schwer, sie als Person anzugreifen. – Kristian Brakel

Schwierige Zeiten für Oppositionelle

Offenbar bildet sich in der Türkei um Meral Aksener eine ernstzunehmende, neue politische Kraft. Doch die Verhältnisse unter der heutigen AKP-Herrschaft sind für Oppositionelle unberechenbar.

Jeder, der sich in der Türkei im Moment aus der Deckung wagt, geht natürlich prinzipiell ein Risiko ein. Da kann schon einiges kommen. – Kristian Brakel

Über Perspektiven für Meral Aksener und ihre neue Partei hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Kristian Brakel gesprochen. Er ist Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung Istanbul und ist als politischer Analyst im Nahen Osten unter anderem für die UNO tätig gewesen.

Kristian Brakel - ist Leiter der Heinrich Böll-Stiftung Istanbul.

ist Leiter der Heinrich Böll-Stiftung Istanbul.
2019 ist in der Türkei die ganz entscheidende Frage: Wird es überhaupt freie und faire Wahlen geben?Kristian Brakel

Redaktion: Julian Christ

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