piqd-Hintergrund | Drohnen, Hebammen, gemeinnütziger Journalismus

"Ein Verdacht genügt und es wird auf Knopfdruck getötet"

21.10.2017

Emran Feroz recherchiert in Afghanistan über die zivilen Opfer von Drohnenangriffen. Anne Fromm berichtet nach der Geburt ihres Sohnes aus erster Hand über den Hebammen-Mangel. Und Martin Krohs will, dass Journalismus gemeinnützig finanziert wird. Wir haben die Autoren im piqd-Hintergrund getroffen.

Tod per Knopfdruck - Emran Feroz

Emran Feroz

Tod per Knopfdruck

(Piper, bereits erschienen)

Der piqd-Hintergrund – Die besten Geschichten und ihre Geschichte.


Im „piqd-Hintergrund“ kommen Kuratoren und Autoren zu Wort. Wir sprechen einmal im Monat mit klugen Köpfen, die das Netz nach den besten Artikeln durchforsten und dann auf piqd.de empfehlen. Eine Zusammenarbeit zwischen piqd.de und detektor.fm.

“Tod per Knopfdruck” Über die zivilen Opfer von Drohnen-Angriffen

Die Menschen in der afghanischen Provinz sind auf sich allein gestellt. Niemand interessiert sich für sie, niemand kommt sie besuchen. Berichtet wird über sie aus der Distanz. Für Emran Feroz war irgendwann klar: Um authentisch berichten zu können und aus Respekt vor den Betroffenen und Bedrohten musste er mit den Menschen vor Ort reden. Wie schrecklich die Situation für die Menschen in Gebieten mit Drohneneinsätzen ist, wurde ihm erst klar, als er wieder in Deutschland war.

Emran FerozWenn hier ein Unfall passiert, sind gleich Psychologenteams da, betreuen die Menschen. Dort findet so ein Angriff statt, dann gehen die Angehörigen selber hin, sammeln die Leichenteile auf, machen schnell die Beerdigung und dann leben die einfach weiter.Emran Ferozhat ein Buch über den US-amerikanischen Drohnenkrieg geschrieben. 

Feroz kritisiert die fatale Widersprüchlichkeit von Drohnenangriffen. Die meisten Staaten, die Drohnenangriffe durchführen, nennen sich demokratische Rechtsstaaten, sagt er. Dort gibt es einen Prozess, bevor jemand verurteilt wird. Im Nahen Osten reicht dann aber auf einmal ein Verdacht aus, um ein Todesurteil zu fällen.

Versorgungsmangel bei Geburten in Berlin Ein Erfahrungsbericht

Vor der Geburt ihres ersten Kindes hatte Anne Fromm eine klare Vorstellung, wo sie ihr Kind zur Welt bringen will. Es sollte ein Krankenhaus mit Neonatologie sein, einer Station für Neugeborene, falls es bei der Geburt Probleme geben sollte. Als sie dann ihre Wehen bekam, lief plötzlich nichts mehr nach Plan. In der Klinik gab es keinen freien Kreißsaal.

Ich hab mich natürlich auch total allein gelassen gefühlt. Man hat uns die Illusion verkauft, ihr seid bei uns sicher und euch kann nichts passieren und dann heißt es einfach nur: Ja, bei uns heute nicht, auf Wiedersehen, guckt mal, wie es so läuft.- Anne Fromm, taz

Anne Fromm recherchiert nach der Geburt weiter und findet heraus, dass sie nicht die Einzige ist, die eine negative Geburts-Erfahrung gemacht hat.

Gemeinnützige Förderung für Journalisten

Seit 2014 berichtet dekoder.org aus und über Russland. Und für diese exzellente Arbeit wurde die Seite 2016 sogar mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.

Momentan wird dekoder noch privat von Martin Krohs finanziert und projektbezogen über Stiftungen gefördert. Mittelfristig soll es aber eine Möglichkeit geben, aus dem “dritten”, also dem gemeinnützigen Sektor finanziert zu werden. Denn Krohs meint, Journalismus sei ein gemeinnütziges Kulturgut, das es zu erhalten gelte.

Dekoder Team. Der dekoder bietet Medien und Kompetenz zum Thema Russland. Wir bringen russischen Journalismus und wissenschaftliche Kompetenz aus deutschen Universit‰ten auf eine gemeinsame Plattform.Was wir brauchen, ist ein Qualitätsjournalismus, der ausgewogen ist, der verschiedene Perspektiven aufzeigt, der in die Tiefe geht, Zusammenhänge herstellt etc. Aber dafür Geld zu finden, ist unheimlich schwer.Martin Krohshat dekoder.org gegründet. 

Florian Schairer hat die Autorinnen und Autoren dieser Artikel und Reportagen im „piqd-Hintergrund“ getroffen.

Redaktion: Maximilian Rosch und Florian Schairer von piqd.de


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