Proteste gegen tschechischen Präsidenten Zeman

Rote Karten zum Revolutions-Jubiläum

18.11.2014

Das Mauerfall-Jubiläum in Deutschland war ein großes Fest. Beim Gedenken an die Samtene Revolution in Tschechien hingegen demonstrierten Tausende in Prag gegen Staatspräsident Miloš Zeman. Die Kritik gilt vor allem seiner Außenpolitik und seinem Politikstil.

Rote Karten statt weißer Ballons: Beim Revolutionsgedenken in Prag ging es deutlich kontroverser zu, als noch vor wenigen Tagen in Berlin. Während man in der deutschen Hauptstadt mit Lichtinstallationen an den Mauerfall erinnerte, geriet das Gedenken an die politische Wende in Tschechien teilweise zur Protestdemonstration.

Die Samtene Revolution war nicht völlig gewaltfrei

Die Tschechen gedenken am 17.11. der Samtenen Revolution. Denn vor 25 Jahren fand in Prag die Studentendemonstration statt, die die politische Wende in der ehemaligen Tschechoslowakei einleitete. Damals schritt die Polizei brutal ein und es gab viele Verletzte unter den Demonstranten. Darauf folgte ein Studentenstreik, dem sich auch die Schauspieler der Prager Bühnen anschlossen. Wenige Tage später war die kommunistische Führung des Landes gestürzt.

Zeman wird für Außenpolitik und Ausfälligkeiten kritisiert

Zum 25. Jahrestag der großen Studentendemonstration haben nun tausende Tschechen gegen Staatspräsident Miloš Zeman demonstriert. Sie hielten rote Karten in die Luft und forderten Zemans Rücktritt.

Der Präsident wird für seine Außenpolitik kritisiert, mit „Ukraine, Ukraine“-Sprechchören protestierten die Demonstranten gegen Zemans russlandfreundliche Haltung. Außerdem stoßen den Protestierenden Zemans Ausfälligkeiten auf. So hatte er die Musikerinnen von Pussy Riot als „Huren“ bezeichnet. Vor wenigen Tagen beschrieb er das Vorgehen der Sicherheitskräfte am 17.11.1989 als „ganz normal“ und zog damit weiteren Zorn auf sich.

Aus der Menge der Demonstranten wurden am Montag auch Eier geworfen, von denen eines Bundespräsident Joachim Gauck traf. Gauck nahm gemeinsam mit Zeman und den Präsidenten Ungarns, Polens und der Slowakei an einer Gedenkveranstaltung in Prag teil.

Hintergründe des Protests

Über die Hintergründe des Prager Protests haben wir mit Mirko Hempel gesprochen, er leitet die Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Prag und Bratislava.

Portrait Mirko HempelWas wir da erleben, ist eine Spaltung der Auffassung der Menschen hier. Es gibt eine ganze Reihe Menschen, die sich sehr stark der stark menschenrechtsorientierten Außenpolitik im Havelschen Sinne verpflichtet fühlen.Mirko Hempelleitet die Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Prag und Bratislava