Proteste in Tunesien

Ein Schritt vor, zwei zurück?

11.01.2018

Sieben Jahre ist es her, dass der Arabische Frühling seinen Anfang in Tunesien nahm. Nun flammen im ganzen Land die Proteste wieder auf.

Ursprung des Arabischen Frühlings

Als sich der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi auf offener Straße selbst verbrennt, ist der Schock und die Entrüstung groß. Über die sozialen Medien verbreitet sich die Nachricht rasend schnell. Infolgedessen gibt es im ganzen Land Proteste, die schließlich zum Umsturz des alten Regimes führen.

Die Ereignisse sind nun sieben Jahre her und Tunesien scheint den Übergang zu einer Demokratie geschafft zu haben. Daher wirken die aktuellen Szenen von brennenden Barrikaden, verletzten Menschen und brutalen Polizeieinsätzen wie ein Blick in die Vergangenheit.

Protest gegen das neue Finanzgesetz

Doch warum gehen die Menschen heute auf die Straße? Anlass ist für viele Demonstrierende das neue Finanzgesetz, wodurch die Preise für alltägliche Dinge steigen. Auch die Korruption ist ein großes Problem. Viele Menschen kritisieren außerdem die stagnierende Wirtschaft des nordafrikanischen Landes. Während die Stimmung im ganzen Land aufgeheizt ist, versucht die Regierung unterdessen die Ruhe zu bewahren. Die Situation werde sich verbessern, so Ministerpräsident Youssef Chahed gegenüber dem Radiosender Shems FM.

Die Protestierenden sind Menschen, die sich von der Veränderung des Regimes etwas erwartet haben und deren Erwartungen bisher nicht erfüllt worden sind. – Simon Rupprecht, Friedrich-Ebert-Stiftung

Vielversprechende Zukunft?

Nach dem Arabischen Frühling galt Tunesien als großer Hoffnungsträger. Besonders junge Menschen stehen für freie Meinungsäußerung ein und treiben somit den politischen Prozess voran. Tunesien sei im Vergleich zu anderen Ländern der Region „vielversprechend“, so formulierte es vor Kurzem der Botschafter der Europäischen Union in Tunesien, Patrice Bergamini.

Wir sind überzeugt, dass eine Veränderung von Innen kommen muss. Dass es hier Leute gibt, die mit anpacken, haben wir auch gesehen (…) nur wird es Zeit brauchen, um diesen Wandel hinzubekommen. – Simon Rupprecht

Über die aktuelle Situation in Tunesien hat detektor.fm-Moderator Christian Erll mit Simon Rupprecht von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tunis gesprochen.

Bild_SimonRupprechtWir sind davon überzeugt, dass es sehr viele gemäßigte Kräfte in Tunesien gibt, die eben nicht davon überzeugt sind, dass man einfach in einen Supermarkt geht und sich einen Fernseher und Lebensmittel mitnimmt, obgleich die Gründe dafür sehr nachvollziehbar sind.Simon Rupprechtist stellvertretender Büroleiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tunis. 

Redaktion: Lara-Lena Gödde