Rivalität Iran und Saudi-Arabien | detektor.fm

Stellvertreterkrieg im Nahen Osten

25.03.2015

Die Lage im Jemen spitzt sich zu. Der Aufenthaltsort des Präsidenten Hadi ist unbekannt, während Huthi Rebellen aus dem Norden immer weiter vordringen. Hinter diesem und vielen anderen Konflikten im Nahen Osten stehen Iran und Saudi Arabien. Die beiden Großmächte liefern sich seit Jahren ein Kräftemessen um die Vorherrschaft in der Region.

Chaos im Jemen

Der Jemen gerät derzeit offenbar zwischen die Fronten. Die schiitischen Huthi Rebellen haben die Hauptstadt Sanaa erobert und rücken auf die Hafenstadt Aden vor, in die sich der Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi zurückgezogen hat. Saudi-Arabien reagiert und hat seine Grenze zum Jemen militärisch aufgerüstet.

Im Jemen geht es um mehr als einen machtlosen Präsidenten und erstarkte Rebellen. Denn die Rebellen im Norden des Landes werden vom Iran unterstützt. Präsident Hadi wiederum wird von Saudi-Arabien gestützt.

Der Kampf um die regionale Vorherrschaft

Nicht nur der Jemen befindet sich im Einflussgebiet des Iran und Saudi-Arabiens. Fast im gesamten Nahen Osten stehen sich momentan die zwei regionalen Mächte gegenüber. Im Iran sowie Irak leben sehr viele Schiiten. Der Iran unterstützt unterstützt und finanziert in Syrien den Machthaber Baschar al-Assad und die Hizbollah Miliz im Libanon. Saudi-Arabien ist sehr stark sunnitisch geprägt und unterstützt sunnitische Rebellen in Syrien. Gleichzeitig bekämpft Saudi-Arabien Syriens Machthaber Assad gemeinsam mit dem ebenfalls monarchischen Katar. Saudi-Arabien beklagt sich über einen immer größeren Einfluss des Iran. Das saudische Könighaus will offenbar unter anderem deshalb Assad stürzen und damit Teherans Macht schwächen.

Religion und Pragmatismus

Die Rivalität zwischen dem Iran und Saudi-Arabien hat neben geopolitischen auch religiöse Gründe. Der Iran ist überwiegend schiitisch, während Saudi-Arabien vor allem sunnitisch geprägt ist. Sunniten und Schiiten haben über viele Jahrhunderte friedlich zusammen gelebt, jedoch hat sich nach der Islamischen Revolution im Iran ein Anti-Schiismus in Saudi-Arabien durchgesetzt, der Schiiten und Ungläubige gleichsetzt.

Obwohl die unterschiedlichen religiöse Strömungen des Iran und Saudi-Arabiens zu einer Rivalität beiträgt, finden nicht alle Konflikte entlang religiöser Linie statt. Ein Beispiel dafür sind die irakischen Kurden. Fast 80 Prozent der Kurden sind Sunniten. Trotzdem hat Iran die Kurden im Norden Iraks mit Waffen beliefert und bemüht sich um eine Zusammenarbeit.

detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler hat mit Sebastian Sons über die Rivalität zwischen Iran und Saudi-Arabien sowie Stellervertreterkriege im Nahen Osten gesprochen. Sons ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Saudi-Arabien-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, eine unabhängige Denkfabrik, die unter anderem das deutsche Außenministerium berät.

Saudi Arabien_Sebastian SonsSaudi-Arabien sieht die Auseinandersetzungen in Syrien, im Irak und in Bahrain und im Jemen als Konflikte mit dem Iran. Ob das in der Realität immer so der Fall ist, oder ob da eine paranoide Haltung der Saudis gegenüber dem iranischen Einfluss zu sehen ist, das sei dahin gestellt.Sebastian Sonsbeschäftigt sich intensiv mit Saudi ArabienFoto: DGAP 

Redaktion: Lisa Hänel