Russisch Brot | Müssen Linke Deutschland-Fan sein?

"Das sind die hässlichen Deutschen"

27.06.2018

Die aktuelle Deutsche Nationalmannschaft ist multikulturell. Immer wieder gibt es aber Aussagen wie diese: "Das ist nicht meine Mannschaft" oder "Özil fühlt sich doch gar nicht wohl in der deutschen Nationalmannschaft". Müssen vielleicht gerade jetzt Links-Liberale Deutschland Fan sein?

Russisch Brot ist der Podcast zur Fußball-WM 2018 von der taz und detektor.fm. Und wer die taz kennt, weiß, dass es um mehr als Videobeweis, Taktiken und vergebene Chancen gehen kann. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf alles was passiert in Russland – auf und neben den Plätzen.


Rassismus bei der WM

Vor der Weltmeisterschaft kommen Bedenken auf – egal ob Fan, Experte oder Journalist. Man fragt sich, ob Rassismus ein Thema sein wird. Denn gerade in Russland scheint der zum Fußball dazu zu gehören. Beleidigungen, fremdenfeindliche Plakate oder auch Affenlaute sind Probleme in Stadien.

Bisher ist es rund um die Plätze zwar ruhig geblieben. Dennoch ist Rassismus ein Thema. Nach der 1:2 Niederlage Schwedens gegen die deutsche National-Elf wird in Sozialen Medien ein Spieler angegriffen. Durmaz verschuldet den Freistoß in der 95. Minute – woraufhin Kroos das Siegtor einschiebt. Es hieß er sei ein Salafist, seine Familie bekommt Morddrohungen. Die schwedische Nationalmannschaft stellt sich nicht nur metaphorisch hinter den Mittelfeldspieler. Und hat eine klare Botschaft:

Das Tor steht Links – Ein Kommentar

Auch bei der Deutschen Nationalmannschaft gibt es immer wieder Diskussionen. Alice Weidel meint, das sei nicht „ihre Mannschaft“. Lothar Matthäus vermutet, Mesut Özil fühle sich gar nicht wohl in der Deutschen Nationalmannschaft. „Jedes Spiel, das das DFB-Team gewinnt, ist wie ein Maulkorb für jene, die sich über das Scheitern Özils und Boatengs freuen. Gemeint ist die AfD.“, schreibt taz-Redakteur Jan Feddersen in seinem Kommentar zu Deutschen Nationalmannschaft.

Das war Mario Basler unter Kritik versteht, ging unter die Gürtellinie. Es hat politisch sehr sensible Bereiche berührt. Es geht hier gegen Spieler. – Jan Feddersen, taz-Redakteur

Was er damit meint und ob man als Links-Liberaler gerade jetzt Deutschland-Fan sein sollte, darüber hat er mit den detektor.fm-Moderatoren Lars-Hendrik Setz und Barbara Butscher gesprochen. taz-Korrespondent Andreas Rüttenauer ist in Kasan und erklärt in seinem Tagebucheintrag, was der Islam in Russland für eine Rolle spielt.

Jan FeddersenBasler oder Borovka, die stehen für einen Fußball der 80er, 90er Jahre - wo der deutsche Fußball nicht besonders inklusiv war, eher ausgrenzend. Eine Männer-Kultur klassischer Art. Das sind die hässlichen Deutschen. Jan Feddersenerklärt in seinem Kommentar bei der taz, warum man jetzt Deutschland-Fan sein sollte.  

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