Russischer Einfluss auf dem Balkan

Tauziehen um den Balkan

13.04.2015

Tsipras wird öffentlich gerügt, weil er bei einem Antrittsbesuch die Nähe zu Moskau sucht. Griechenland müsse sich entscheiden: Russland oder die EU. Dabei ist Griechenland nicht der einzige Staat, den Putin umwirbt. Auch die Balkanstaaten um Serbien und Bosnien-Herzegowina geraten immer mehr in das außenpolitische Tauziehen.

Russischer Einfluss auf dem Balkan

Im November 2014 wurde ein vertrauliches Papier des Auswärtigen Amts bekannt, das sich mit den russischen Bestrebungen auf dem Balkan beschäftigte. Unter dem Titel „Einfluss Russlands in Serbien“ stellte das Auswärtige Amt fest, dass Russland dem westlichen Balkan strategische Bedeutung zumesse.

Russland verfügt traditionell in einigen Ländern des Balkans über Sympathien. Serbien fühlt sich Russland nahe, da das Land während des Jugoslawienkrieges Unterstützung aus Moskau erhielt. Ebenso schauen manche Serben verklärt auf Russland, da sie nie tatsächlich Teil des Zarenreiches oder der Sowjetunion waren.

Hinzu kommt, dass es die Europäische Union geschichtlich gesehen nicht leicht hat, die Sympathien speziell der Serben zu gewinnen, denn vielen ist die Bombadierung des Landes durch NATO-Einsatzkräfte noch in Erinnerung.

Wirtschaftliche Stärke

Russland ist in der Region vorallem wirtschaftlich aktiv. In Montenegro gehören ein Drittel der Firmen Russen und in Serbien wird nicht nur auf russische Staatskosten in eine 350 Kilometer lange Eisenbahnstrecke investiert, die russische Firma Gazprom hält auch die Mehrheit am größten Gasbetreiber des Landes.

Einen Rückschlag musste Russland im Dezember letzten Jahres hinnehmen, als das Millionenprojekt South Stream eingestellt wurde – ein Pipeline Projekt, mit dem das Land Erdgas nach Europa bringen wollte.

Dilemma für die Länder der Region

Für die Länder der Region ist das Tauziehen zwischen europäischer Integration und russischem Einfluss eine Gratwanderung. Serbien beispielsweise erkennt die Krim zwar nicht als russisches Gebiet an, verweigert aber auch, sich an den europäischen Sanktionen für Moskau zu beteiligen.

Bulgarien als EU-Land blockierte zwar das South Stream Projekt auf Drängen der EU, erklärte aber auch, weiter den Bau der Pipeline im eigenen Land vorzubereiten.

detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler hat mit Konrad Clewing, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ost- und Südosteuropastudien, über den Einflussgewinn Russlands auf dem Balkan und die Herausforderungen der EU, darauf zu reagieren, gesprochen.

Konrad ClewingRussland versucht sich doch politisch und wirtschaftlich auf dem Westbalkan zu festigen. Und das ist auch ganz klar, weil dieses Gebiet eben noch nicht der EU beigetreten ist und man hier auf Partner trifft, die zum Teil bedürftig sind. Konrad Clewigist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ost- und Südosteuropastudien  

Redaktion: Lisa Hänel