Russland auf Propaganda-Kurs

"Hybrid-Krieg gegen Deutschland"

04.02.2016

Die staatsnahen russischen Medien zeichnen ein verzerrtes Bild von der Integration in Deutschland. Sie berichten von Flüchtlingen, die ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigen oder Asylbewerbern, die bevorzugt behandelt werden. Führt Russland einen Informationskrieg?

Russland nutzt den „Fall Lisa“

Zuletzt hat die Geschichte um Lisas Verschwinden in Deutschland Schlagzeilen gemacht. Das 13-jährige Mädchen, eine Russlanddeutsche, war für mehr als einen Tag verschwunden und soll in Berlin angeblich von Flüchtlingen missbraucht worden sein. Eine Geschichte, die sich nur allzu gut in das Bild fügt, das russische Medien gern von Deutschland zeichnen, aber eben nur eine angebliche Geschichte.

Mit tendenziösen Fernsehbeiträgen wie jüngst im „Fall Lisa“ stürzt sich die russische Regierung auf die deutsche Asylpolitik. Es werden falsche Zeuginnen bezahlt, die belastende Aussagen gegen Migranten machen. Deutschlands Straßen seien für Russlanddeutsche kaum noch sicher, so der Grundtenor. Sogar der russische Außenminister Sergej Lawrow hat sich in die Debatte eingeschalten und Deutschland Vertuschung vorgeworfen.

Ein Informationskrieg?

Wladimir Putin zeichet Russland bewusst als das starke und unabhängige Land, das den vermeintlichen Werteverfall der westlichen Welt nicht akzeptiere. Die Botschaft richtet sich vor allem an die Menschen in Russland, aber auch an Russlanddeutsche.

Es geht darum zu sagen: ‚Seht mal her, im Westen lebt es sich unsicher, vor allem seitdem die Flüchtlinge gekommen sind. Da geht es uns in Russland wesentlich besser.‘ – Brigitte Baetz, Medienjournalistin

Der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert geht sogar einen Schritt weiter und spricht von einer gezielten Diskreditierung der deutschen Medien. Womöglich könnte der russische Geheimdienst den Begriff „Lügenpresse“ lanciert haben, meint Wickert, auch wenn er dafür keine Beweise hat.

Wo er natürlich recht hat: Es gibt eine ganz bestimmte Szene, die eben „Lügenpresse“ ruft, und da ist es durchaus auffällig, dass sich diese Szene sehr russlandfreundlich gibt. – Brigitte Baetz

Die Pegida-Bewegung gibt sich besonders russlandfreundlich, Deutschrussen werden bewusst angesprochen und treten beispielsweise in Nürnberg auf Pegida-Demonstrationen auf. Die Allianz von Lügenpresse-Rufern, Rechtspopulisten und Russlanddeutschen könnte Putin recht sein. Den rechtsextremen Front National in Frankreich von Marine Le Pen soll er mitfinanziert haben.

Über das Bild, das russische Medien von Deutschland zeichnen, hat detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller mit der Medienjournalistin Brigitte Baetz gesprochen.

Brigitte Baetz, FM LebenszeitIch stelle mir die Frage: Wer instrumentalisiert hier eigentlich wen? Horst Seehofer gibt sich als jemand, der die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel nicht gut heißt. Er weiß genau, dass die Russen das genauso sehen.Brigitte Baetzsieht Seehofers Besuch in Moskau kritisch. 

Redaktion: Zülal Yildirim