Sahra Wagenknecht unter Populismus-Verdacht, Amoklauf in Japan

Wenn der Amoklauf keine Nachricht mehr ist

27.07.2016

Sahra Wagenknecht hat den Selbstmordanschlag in Ansbach zum Anlass genommen, die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zu kritisieren. Das verärgert auch Parteigenossen. Derweil erlebt Japan einen Amoklauf in einem Behindertenheim - und der mediale Aufschrei bleibt aus. Nina Apin von der taz zu den Debatten der Woche.

Wagenknecht in Kritik

Sahra Wagenknecht eckt gerne an – auch schonmal unter ihren Parteigenossen bei den Linken. Angela Merkels Flüchtlingspolitik hat Wagenknecht in den letzten Monaten häufiger kritisiert: Insbesondere Merkels Verhandlungen („Deals“) mit der Türkei zur Lösung der Flüchtlingskrise haben Wagenknecht empört.

Am Montag hat Wagenknecht auf der Seite der Linksfraktion eine Stellungnahme zum Selbstmordanschlag in Ansbach veröffentlicht. In Ansbach hatte sich ein 26-Jähriger Syrer – ein Asylbewerber – in die Luft gesprengt. Wagenknechts Pressemitteilung ist knapp gehalten, doch schon allein diese Passage hat für großen Ärger gesorgt:

Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges ‚Wir schaffen das‘ uns im letzten Herbst einreden wollte. – Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht in einer Pressemitteilung zum Anschlag von Ansbach

Bei den „Ereignissen der letzten Tage“ geht es nicht nur um Ansbach, sondern offenbar auch um Angriffe und Tötungen in Würzburg und Reutlingen. Auch hier waren die Täter Asylsuchende. Wagenknechts anschließende Kritik an der Integrationspolitik wird ihr insbesondere in den eigenen Reihen übelgenommen. So twittert Linke-Fraktionsmitglied Jan van Aken:

Amoklauf in Japan – Für uns nicht von Bedeutung?

Während die Linken sich über Wagenknechts Äußerungen stritten, hat auch das japanische Sagamihara einen Amoklauf erlebt. Die Todesopfer: 19 Bewohner einer Behinderteneinrichtung. Der Täter: ein 26 Jahre alter Mitarbeiter der Einrichtung. Die Tatwaffe: ein Messer. Die Motivation: Hass auf Menschen mit Behinderung.

Anders als bei einem Ereignis wie dem Amoklauf von Orlando und München findet Sagamihara in den Medien nur am Rande statt. Liegt es nur daran, dass Japan so weit weg ist? Wie ehrlich wird die öffentliche Debatte über die Ursachen solcher Ereignisse geführt? Darüber haben wir mit Nina Apin gesprochen, Leiterin des Meinungsressorts der taz.

Nina ApinDas Attentat auf den Nachtclub in Orlando hat so große Betroffenheit ausgelöst, weil die LGBT-Community bei uns einen hohen Status hat (...). Man muss sagen, dass Menschen mit Behinderung da keine so große Lobby haben scheinen.Nina Apinist Leiterin des Meinungsressorts bei der taz. 
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