Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien

"Es geht um die Macht am Golf"

04.01.2016

Der Nahe Osten vor einer weiteren Destabilisierung? Saudi-Arabien richtet 47 Menschen hin, darunter ein schiitischer Oppositioneller. Der Iran ist empört, protestiert, droht - woraufhin Saudi-Arabien alle diplomatischen Beziehungen mit dem Nachbarn abbricht. Nur Bahnhof verstanden? Das ändert dieses Interview.

Nach dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran waren die Hoffnungen im vergangenen Sommer groß, dass sich die politischen Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien nach Jahrzehnten langsam lösen könnten. Doch mit der Hinrichtung von 47 Menschen am 2. Januar, darunter der Geistliche und Oppositionelle Nimr al-Nimr, hat sich der alte Konflikt wieder verschärft.

Kalter Krieg im Nahen Osten?

Saudi-Arabien werde einen teuren Preis dafür bezahlen, ließ Teheran wissen. Das Königreich Saudi-Arabien reagierte prompt: nach der Drohung wurden alle diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Iran abgebrochen. Laut dem saudischen Außenminister Jubeir soll sogar der Flugverkehr zwischen den Ländern eingestellt werden. Saudis dürften bald nicht mehr in den Iran reisen. Auch Bahrain und der Sudan haben alle iranischen Diplomaten zur Ausreise aufgefordert.

Die rhetorische Eskalationsstufe, die wir jetzt erreichen, ist eine deutliche Verschärfung der Situation und eine Problemlage mehr für eine mögliche Lösung der Situation im Nahen Osten. – Sebastian Sons, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Stellvertreterkriege von Iran und Saudi-Arabien

Der Grund für den Konflikt zwischen der mehrheitlich schiitischen Islamischen Republik Iran und dem sunnitisch-geprägten Königreich Saudi-Arabien scheint ein religiöser zu sein. Das saudische Königshaus sieht sich als Führungsmacht der Sunniten, Iran sieht sich für die Schiiten in dieser Rolle.

Doch längst geht es um Machtpolitik in der Golfregion: Saudi-Arabien fürchtet, dass Teheran durch das Atomabkommen und die Aufhebung der Sanktionen wieder eine stärkere Rolle in Wirtschaft und Politik im Nahen Osten spielen könnte.

Der konfessionelle Konflikt wird von beiden Seiten für realpolitische Ziele und Absichten instrumentalisiert. Beide Regierungen haben seit der Islamischen Revolution im Iran 1979 danach gestrebt, die Vorherrschaft am Golf zu behalten, zu bewahren, auszubauen. – Sebastian Sons

Auch in den Bürgerkriegsländern Syrien und Jemen spielen die beiden Mächte eine entscheidende Rolle. In Syrien unterstützt Teheran den Machthaber Assad, Saudi-Arabien hingegen sunnitisch-islamistische Rebellengruppen. Das gleiche Bild im Jemen: dort unterstützt Riad die Regierungstruppen des Präsidenten, die Huthi-Rebellen werden von Teheran unterstützt.

Was muss man wissen, um den langjährigen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran zu verstehen? Darüber hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik gesprochen.

Sebastian_SonsGrundsätzlich geht es hier darum, dass zwei Regionalakteure um die Macht am Golf konkurrieren - in wirtschaftlicher, politischer und ja, auch ideologischer Hinsicht, aber die ideologische Komponente spielt eine untergeordnete Rolle.Sebastian Sonsist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Programm Naher Osten und Nordafrika der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. 

Redaktion: Sandro Schroeder