Schutzzone in Syrien

Ein bisschen Frieden?

04.05.2017

Die Menschen im vom Krieg zerstörten Syrien warten seit sechs Jahren auf Frieden. Gibt das Zugeständnis von Erdogan und Putin für eine "Schutzzone" einen Anlass zur Hoffnung auf Frieden?

Im Syrienkrieg soll eine Schutzzone der Bevölkerung endlich helfen und weiteres Leid und Blutvergießen beenden. Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. In diesen sechs Jahren sind mindestens 320.000 Menschen an den Folgen des Bürgerkriegs gestorben. Zusätzlich werden mindestens 145.000 Menschen vermisst.

Millionen, die mit dem Leben davongekommen sind, sind in Nachbarländer geflohen und wenn sie Glück hatten, haben sie es bis nach Europa geschafft. Insgesamt sind mittlerweile fünf Millionen Syrer als Flüchtlinge registriert.

Der Krieg, in dem diverse Länder verwickelt sind, findet noch immer kein Ende. Viele der beteiligten Staaten wollen ihre eigenen Interessen durchsetzen.

Wieso nicht längst eine Schutzzone?

Seit mehreren Jahren kommt nun immer wieder eine Idee auf – Schutzzonen für die Bevölkerung. Doch was sich im ersten Moment einleuchtend anhört, ist bei Beobachtern durchaus umstritten. Als die Türkei die Idee 2012 einbrachte, waren die USA, Frankreich und Großbritannien dafür, sahen aber schon damals Umsetzungsprobleme. Zu dieser Zeit waren Russland und China dagegen.

2016 forderte dann auch die Europäische Union, solche Schutzzonen zu errichten. Dafür wären aber auch Flugverbotszonen über dem Schutzgebiet nötig, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Die einzige beteiligte Nation, die wohl in der Lage wäre, die Flugverbotszone militärisch zu sichern sind die USA. Aber ein militärische Verteidigung würde womöglich eine Eskalation nach sich ziehen.

Alle müssen sich einigen

Wenn die beteiligten Staaten tatsächlich eine Schutzzone einführen wollen, gibt es noch ein weiteres großes Problem. Denn diese Zone muss erst einmal mit allen Beteiligten beschlossen und dann auch geografisch festgelegt werden.

Der Vorschlag, der bisher von Erdogan und Russland lanciert wird, ist im Grunde genommen viel zu wenig und trifft auch nicht die richtigen Gebiete. – Wolfgang Bock

Die einzelnen Interessen der vielen Gruppen zu durchschauen, ist meistens schon schwer genug. Jetzt kommt mit den Schutzzonen noch ein weiteres, umstrittenes Thema dazu. Wie schwierig es sein wird, diese Schutzzonen umzusetzen und wo große Probleme bestehen, hat sich detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser von Wolfgang Bock erklären lassen. Er ist der Vertreter des Bundesministeriums für Justiz bei der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und Experte für den Nahen und Mittleren Osten sowie für Islam und Islamismus.

Wolfgang BockSchutzzonen wären immerhin ein erstes Moment, das zu etwas mehr Ruhe und zu einem Abklingen des Konflikts führen könnte.Wolfgang BockVertreter des Bundesjustizministeriums in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und Nahost-Experte. Foto: Bundesakademie für Sicherheitspolitik 

Redaktion: Roberta Knoll