SPD-Vorschlag Bürgerversicherung

Krankes System?

04.12.2017

Die SPD will eine einheitliche Krankenversicherung für alle — die Bürgerversicherung. Sie verspricht sich davon ein Ende der Bevorzugung von Privatpatienten. Kritiker meinen, dass durch eine Bürgerversicherung die Ungerechtigkeit im Gesundheitssystem sogar steigen würde.

Die Idee einer Bürgerversicherung

Sollte die SPD ihren Plan verwirklichen, so könnte man ab einem bestimmten Stichtag nicht mehr in eine private Krankenversicherung eintreten. Ab diesem Tag gibt es dann nur noch eine gesetzliche Versicherung: die Bürgerversicherung.

Privat Versichterten würde die Wahl gelassen werden, zu wechseln. Die privaten Krankenversicherungen würden dann schrittweise immer weniger Kunden bekommen und nach ein oder zwei Generationen wäre niemand mehr vollständig privat versichert. Ein Umstieg zur Bürgerversicherung wäre also ein langer Prozess, je nachdem wie viele Menschen wechseln möchten.

Wer dann aber in der einheitlichen, gesetzlichen Versicherung immer noch gerne vom Chefarzt behandelt werden möchte oder ein Einzelzimmer im Krankenhaus will, kann eine private Zusatzversicherung abschließen. Das ist auch schon heute möglich.

Die SPD sieht Vorteile

Schon vor der letzten Bundestagswahl war eine Bürgerversicherung ein zentrales Anliegen der SPD. Dieses Mal ist es der SPD aber ernster mit dem Ende des jetzigen Zweisäulen-Modells. Implizit macht sie es zur Bedingung für eine mögliche neue Große Koalition.

Ein Modell aus einem Guss wird die SPD in einer Großen Koalition nicht durchsetzen können. Erste Schritte wird es geben, aber keine umfassende Bürgerversicherung, wie die SPD sie sich vorstellt.
— Stefan Greß, Professor für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie

Mit der Gesundheits-Revolution könnte die SPD ihrer Basis eine neue GroKo schmackhaft machen. Ziel der SPD ist ein Ende der Bevorzugung von Privatpatienten — zum Beispiel bei der Terminvergabe bei einem Facharzt.

Wer ist dagegen?

Vor allem Ärzte und natürlich die privaten Krankenversicherer sind gegen die Einführung einer Bürgerversicherung. Kritiker des SPD-Planes meinen, dass gerade durch die Möglichkeit von Zusatzversicherungen eine Zwei-Klassen-Medizin entstehe, die die SPD eigentlich verhindern möchte.

Wie sinnvoll eine Bürgerversicherung wäre und ob das am Ende tatsächlich gerechter wäre, darüber hat detektor.fm-Moderator Eric Mickan mit Stefan Greß gesprochen. Er ist Professor für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie und hat sich in einer öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages für die Einführung einer Bürgerversicherung ausgesprochen.

Stefan GreßBei einem Umstieg auf eine Bürgerversicherung wird es auch Verlierer geben. Insbesondere Ärzte, die heute einen sehr hohen Anteil an privat versicherten Patienten haben, weden nicht vollkommen kompensiert werden. Das erklärt auch den Widerstand der Ärzteschaft gegen ein solches Modell.Stefan Greßist Professor für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fulda 

Redaktion: Rewert Hoffer