Stadtgespräch | Molenbeek: Nährboden für Terroristen

"Molenbeeks Probleme wurden lange totgeschwiegen"

17.11.2015

Die Spur führt nach Molenbeek: Nach den Anschlägen in Paris werden Täter und Hintermänner besonders in Molenbeek, einem Vorort von Brüssel, gesucht. Ist der Ort tatsächlich eine Hochburg des Terrors? Ein Blick nach Molenbeek.

detektor.fm sammelt für eine Vormittagssendung


Molenbeek: Hochburg von Terroristen?

Mindestens einer der Attentäter von Paris soll in der belgischen Gemeinde Molenbeek gelebt haben. Bereits beim Angriff auf einen koscheren Supermarkt in Paris im Januar dieses Jahres kam der Täter aus Molenbeek. Und auch beim Anschlag auf ein Museum 2014 in Brüssel hatte der Täter einen Bezug zu Molenbeek.

Ist Molenbeek eine Terrorzelle?

Die Probleme Molenbeeks wurden lange totgeschwiegen

Die Gemeinde Molenbeek liegt am Rande Brüssels und unterscheidet sich schon rein äußerlich vom modernen Europaviertel und dem royalen Viertel mit Königspalast und Museen. Der Journalist Roger Pint findet klare Worte für das Erscheinungsbild Molenbeeks:

Wenn man eine Ilustration für Perspektivlosigkeit und ghettoähnliche Situation braucht, dann ist man in Molenbeek sehr schnell sehr richtig. Es ist so, dass Molenbeek zum größten Teil aus Hochhäusern besteht. Die Leute leben dort sehr geballt. – Roger Pint, Korrespondent beim belgischen Rundfunk BRF

Die einfache Gleichung Armut = Terrorismus geht sicher nicht auf. Aber über Jahre und Jahrzehnte sind soziale Probleme wie die hohe Arbeitslosigkeit von der belgischen Politik und Öffentlichkeit totgeschwiegen worden. So hat sich ein Nährboden für radikale und gewaltbereite Tendenzen bilden können. Die werden vor allem von zwei Seiten bestärkt: extremistischen Scharfmachern und dem Internet.

Nun lebt die Gemeinde momentan mit dem Stigma, eine Hochburg des Terrors zu sein.

Über die Gemeinde Molenbeek und ihren Ruf als Terrorzelle hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Roger Pint gesprochen. Er arbeitet als Korrespondent beim belgischen Rundfunk BRF.

RogerPint_Stadtgespräch_PrivatDer Nährboden in Molenbeek ist da. (...) Aber wenn mir jemand die Gleichung nennt, die innerhalb von zwei Zeilen das Phänomen der Radikalisierung erklärt, der könnte damit reich werden. Das Problem ist viel komplexer.Roger Pintarbeitet als Korrespondent beim belgischen Rundfunk BRF. 

Redaktion: Max Heeke