Stadtgespräch | G20-Gipfel in Hamburg

Krawalle unvermeidlich?

07.06.2017

In Hamburg kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten. Auch zum G20-Gipfel Anfang Juli werden große Gegendemonstration erwartet. Ist die Stadt gut vorbereitet?

G20-Gipfel in Hamburg

Herausgerissene Pflastersteine, abgeknickte Straßenschilder, brennende Autos – in Hamburg lieferten sich Demonstranten in den letzten Jahren immer wieder heftige Gefechte mit der Polizei. Dass der G20-Gipfel, also das Zusammentreffen von Spitzenpolitikern aus aller Welt, ausgerechnet in der Hansestadt stattfinden soll, stößt bei vielen Hamburgern auf Unverständnis. Denn umstrittene Politiker wie US-Präsident Donald Trump, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan oder Russlands Staatschef Vladimir Putin werden erwartet. Kritiker halten den Aufwand und die Kosten für das Gipfeltreffen für unverhältnismäßig.

Krawalle unvermeidlich

Zum G20-Gipfel am 7. und 8. Juli rechnet die Polizei mit großen Gegendemonstrationen. Die Veranstalter einer Kundgebung am 8. Juli gehen von rund 100.000 Teilnehmern aus. Fraglich ist, ob sich eine Eskalation zwischen Demonstranten und Polizei vermeiden lässt. Linksradikale aus Deutschland und ganz Europa kündigen sich bereits jetzt an und bereiten seit Monaten ihren Protest vor. Das bereitet der Polizei Kopfzerbrechen:

Aus dem osteuropäischen Raum gibt es Linksextreme, die im Ruf stehen, Polizisten direkt anzugreifen. Da ist der Respekt groß. – Oliver Hollenstein, ZEIT-Politikredakteur

Die Vorbereitungen laufen – auf beiden Seiten

Die zuständigen Sicherheitskräfte versuchen mit verschiedenen Mitteln, das Risiko so gering wie möglich zu halten. Ein so genanntes Gefahrengebiet ist geplant. Dieses wird während des G20-Gipfels abgeriegelt. Außerdem darf die Polizei hier verdachtsunabhängige Kontrollen durchführen – eine Maßnahme, die schon 2014 zu heftigen Protesten führte und schließlich vom Hamburger Oberverwaltungsgericht für verfassungswidrig erklärt wurde. Die Polizei hatte auch ein Demonstrationsverbot für die Innenstadt angekündigt. Das Verbot wurde allerdings vom Hamburger Senat abgelehnt.

Polizei und Gegendemonstranten bereiten sich auf den großen Tag vor. Andere Hamburger haben angekündigt, die Stadt am Gipfel-Wochenende zu verlassen. Die Sorge vor Verkehrschaos und Ausschreitungen ist groß.

Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Christian Eichler gibt der Hamburger ZEIT-Redakteur Oliver Hollenstein einen Überblick über die Stimmung in der Hansestadt und das anstehende Zusammentreffen von Polizei, Demonstranten und Politikern.

 Hollenstein     OliverMan versucht, sich so gut, es geht, auf den Gipfel vorzubereiten. Bei der Polizei herrscht Ausnahmezustand. Was letztendlich hier in Hamburg passiert, ist aber natürlich noch unklar.Oliver HollensteinPolitikredakteur der ZEIT in Hamburg 

Redaktion: Robin Hatting