Stadtgespräch | Hitzacker und die Jeetzel

Privatisierung eines Flusses?

22.03.2017

Der Bund will einen Flussabschnitt in Hitzacker verkaufen, doch die Stadt kann sich das nicht leisten. Deshalb sammelt ein Verein Geld, um dann den Fluss der Stadt zu schenken.

Fluss in privater Hand?

In Niedersachsen will der Bund ein 820 Meter langes Flussstück der Jeetzel verkaufen. Bis zur Wende ist dieses Stück vom Zoll für Kontrollen an der deutsch-deutschen Grenze genutzt worden. Der kleine Fluss mündet dort in die Elbe und gehört bis auf diesen Teil dem Land Niedersachsen. Doch das Land Niedersachsen hat kein Interesse, dieses Stück zu kaufen.

Die Stadt Hitzacker wiederum hat nicht genug Geld, um selbst diesen Flussabschnitt zu erwerben. Deshalb kommen auf einmal auch Privatleute als Käufer in Frage. Es könnte die erste Privatisierung eines fließenden Gewässers in Deutschland werden.

Kultureller Verlust

Für einen Fluss, der so eine Bedeutung für Hitzacker hat, nicht nur vom Hochwasserschutz, sondern auch für die Identität der Bürgerinnen und Bürger, ist es nicht hinzunehmen, dass man da vor der Haustür den Fluss verkauft. – Eike Weiss von der Initiative „Gemeinsam für Hitzacker“

Das Flussstück umschließt die Altstadt in Hitzacker und ist eine kleine Touristenattraktion der Kleinstadt. Ein privater Investor könnte, so fürchten einige Bürger, nicht nur die Pacht für die Anlegestellen auf der Jeetzel deutlich erhöhen, sondern die Nutzung der Anlegestellen am Fluss eventuell komplett verbieten. Einige Bürger von Hitzacker haben Angst um ein auf dem Fluss schwimmendes Café und Restaurant sowie ein für Hochzeiten genutztes altes Zollboot. Außerdem machen in dem Abschnitt regelmäßig Ausflugsschiffe einer Reederei fest.

Hitzacker: Rettet die Jeetzel!

Doch viele Bürger von Hitzacker wollen verhindern, dass ihr Fluss an private Investoren geht. Deswegen haben sie den Verein „Gemeinsam für Hitzacker“ gegründet. Dieser Verein fordert vom Land Niedersachsen, zu ihrer Verantwortung für Flüsse zu stehen und auch den letzten Abschnitt der Jeetzel zu übernehmen.

Sollte das nicht klappen, gibt es auch einen Alternativ-Plan: Mit dem Verein sammeln die Bürger Geld, damit die Stadt sich das 820 Meter lange Stück des Flusses selbst kaufen kann. Insgesamt 95.000 Euro sind für den Kauf des Abschnitts der Jeetzel erforderlich.

Wir sind aber seit Februar froher Hoffnung, dass wir das Geld nicht brauchen. Denn das Land Niedersachsen sieht jetzt doch seine Verantwortung und will eine Privatisierung verhindern. Sie sind grade in der Verhandlung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über eine Übertragung des Flusses an das Land. – Eike Weiss

Über den ungewöhnlichen Fall des Flussverkaufes hat detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange mit Eike Weiss gesprochen. Er ist Vereinsmitglied von „Gemeinsam für Hitzacker“.

Eike Weiss_GfH_Foto_Stefan AlbrechtWir denken, ein Fluss gehört nicht zu den Dingen, die einfach wie ein Auto verkauft werden können, wenn man es nicht mehr braucht. Ein Fluss sollte im Eigentum der öffentlichen Hand bleiben.Eike WeissVereinsmitglied von "Gemeinsam für Hitzacker". 


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