Stadtgespräch | Jüchen: Hilfsaktion eines Rewe-Marktes

Leere Regale für Flüchtlinge

22.09.2015

Eigentlich wollte er dem Landkreis nur unkompliziert helfen. Jetzt stehen bei Michael Ermer, Betreiber des REWE-Marktes in Jüchen, die Telefone nicht mehr still. Ermer ließ für unerwartet angekommene Flüchtlinge die Regale seines Marktes leerräumen. Im Interview erzählt er, wie es dazu kam - und warum er die Waren jetzt sogar spendet.

Normalerweise sind leere Regale im Supermarkt ein trostloses Bild und Grund zum Ärger. In Jüchen in Nordrhein-Westfalen ist das jetzt andersrum: Fotos von ganz spärlich bestückten Regale haben dort für große Freude, Stolz und bundesweiten Applaus gesorgt.

Was war passiert? Die Frage klärt sich mit Blick auf den Zettel, der an den leeren Regalbrettern hing und dessen Foto sich rasend schnell im Netz verbreitete:

Sehr geehrte Kunden, aufgrund eines unerwarteten Eintreffens von mehreren Bussen mit Flüchtlingen, vielen Säuglingen und Kleinkindern an Bord, haben wir unsere Waren in der Nacht zum Mittwoch den Hilfskräften zur Verfügung gestellt. Es war eine akute Notsituation.

Leere Regale – wie ein REWE-Markt zum Netz-Liebling wurde

Der Betreiber des REWE-Marktes sagt, man arbeite schon länger gut und unkompliziert mit verschiedenen Hilfskräften zusammen. Als dann die Versorgung der Flüchtlinge im Raum stand, sei es keine Frage gewesen, dass das auch diesmal so gehandhabt wird.

Dann geschah erstmal: gar nix. Und zwei Tage später kann sich Michael Ermer vor Anfragen und Rückmeldungen nicht mehr retten. Ein Kunde müsse den Hinweis auf Facebook veröffentlicht haben. Beabsichtigt habe man diesen Hype keineswegs. Er habe ja selbst nicht einmal einen Facebook-Account, so der Marktleiter.

Wie es zu der spontanen Aktion kam, wie er mit der plötzlichen Welle an Rückmeldungen umgeht und warum er sich nun entschieden hat, dem Landkreis die Waren nicht einmal in Rechnung zu stellen, das hat uns Michael Ermer selbst erklärt.

Stadtgespräch Jüchen | Ein leerer Supermarkt wird zum Facebook-Hype

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