Stadtgespräch | Duisburg und die Müllkampagne

Rassistische Mülleimer-Sprüche in Duisburg?

30.08.2017

Die Stadt Duisburg soll sauber sein. Dafür sprechen die Mülleimer der Stadt die Bürger direkt an: Hanna, Lisa, Andi, Gülcan und Mehmet sollen ihren Müll "rein machen". Kritiker werfen der Kampagne Rassismus vor.

Mit „Witz, Humor und einem zwinkernden Auge“ wollten die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Duisburg die Bürger dazu auffordern, ihren Müll in die Eimer zu schmeißen. Dazu haben sie acht verschiedene Sprüche auf Mülleimer gedruckt, etwa: „Hau rein, Hanna!“, „Komma hier, Kevin!“ oder „Mach et, Mehmet!“. Ähnliche Kampagnen hat es auch schon beispielsweise in Berlin gegeben.

Von den acht Sprüchen sind sechs an deutsche Vornamen adressiert und zwei an türkische. Einige Bürger fanden das allerdings gar nicht lustig. Eine Twitter-Nutzerin schrieb etwa:

Wirtschaftsbetriebe Duisburg weisen Rassismusvorwurf zurück

Intendiert sei das jedenfalls nicht gewesen, sagt Silke Kersken von den Wirtschaftsbetrieben aus Duisburg. Etwa 35.000 Einwohner der Stadt sind türkischstämmig. Diese sollten in die Aktion miteinbezogen werden. Die Plakate wurden außerdem demnach – zufällig – an den 6.000 Papierkörben der Stadt angebracht.

Mit so einer Reaktion haben wir überhaupt nicht gerechnet. Wir wollten das Thema Sauberkeit eigentlich nur auf eine witzige Art in die Köpfe der Duisburger bringen. – Silke Kersken, Wirtschaftsbetriebe Duisburg

Mittlerweile hat sogar eine türkische Zeitung über die Müllkampagne und die Kritik daran berichtet. Noch mindestens ein Jahr sollen die Sprüche auf den Eimern stehen.

Vandalismus gegen sprechende Mülleimer

An etwa 100 Müllbehältern in der Duisburger Innenstadt sind Sprechanlagen angebracht. Diese applaudieren oder jubeln, wenn jemand etwas darin entsorgt. Die meisten davon sind aber mittlerweile Vandalismus zum Opfer gefallen. Kersken glaubt jedoch nicht, dass das etwas mit der Müllkampagne zu tun hat.

Silke Kersken von den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Duisburg hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt die Idee hinter der Sauberkeitskampagne erklärt, die für so viel Aufmerksamkeit sorgt.

Silke KerskenDuisburg ist eine internationale Stadt. Wir haben sehr viele Kulturen hier, darunter viele türkische Mitbürger. Die wollten wir miteinbeziehen.Silke Kerskenarbeitet bei den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Duisburg.