Jerusalem als Hauptstadt Israels

Trumps gefährliches Spiel mit der heiligen Stadt

06.12.2017

Der Kernpunkt des Nahost-Konflikts ist schon lange eine Stadt: Jerusalem. Sowohl Palästinenser als auch Israelis erheben Anspruch auf sie als Hauptstadt. Aufgrund der geladenen Situation hat die internationale Gemeinschaft bisher davon abgesehen, Israels Forderung zu bestätigen. Nun plant Trump aber einen Alleingang.

Von Tel Aviv nach Jerusalem Ortswechsel mit fatalen Folgen?

Bis die USA ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen, dürfte es noch dauern. Trotzdem wird die Ankündigung Donald Trumps, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen, bereits hitzig diskutiert. Führende Palästinenser behaupten, damit habe Trump eine Zwei-Staaten-Lösung in weite Ferne gerückt. Diese Lösung des Nahost-Konflikts sieht die Bildung zweier Staaten vor: den unabhängigen Staat Palästina und den Staat Israel.

Mit seinem Vorgehen bricht Donald Trump abermals mit politischen Traditionen. In der internationalen Gemeinschaft herrschte bislang Konsens über den Status von Jerusalem: Dieser soll erst innerhalb von Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern verhandelt werden.

Es ist völlig unüblich, dass ein Staat die Hauptstadt eines anderen Staates anerkennt. Das sind in der Regel Entscheidungen, die im jeweiligen Staat selbst getroffen werden. – Werner Puschra, Friedrich-Ebert-Stiftung in Tel Aviv

Der Protest formiert sich

Für die arabische Welt sind Trumps Pläne ein klarer Affront. Insbesondere für die Palästinenser, die den Ostteil Jerusalems ebenfalls als ihre Hauptstadt beanspruchen. Verschiedene palästinensische Gruppen haben deshalb zum Protest aufgerufen. Aus Angst vor Ausschreitungen gelten bereits verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in Israel.

Jerusalem in der jetzigen Situation ist ‚Groß-Jerusalem‘. Es umfasst auch palästinensische Siedlungen und Dörfer […]. Trump müsste erst mal definieren: Was ist Jerusalem überhaupt? Was versteht er darunter? – Werner Puschra

Eine Wende der diplomatischen Beziehungen?

Außerdem könnte Trumps Schritt entscheidend für die diplomatischen Beziehungen Israels im Nahen Osten sein. So gefährden die neuesten Entwicklungen möglicherweise die Beziehungen zur Türkei und zu Saudi-Arabien.

detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser hat mit Werner Puschra, dem Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tel Aviv, über die Bedeutung Jerusalems im Nahost-Konflikt gesprochen.

Porträt Werner PuschraDer völkerrechtliche Status Jerusalems ist der einer offenen Stadt, die für alle Juden und Araber auch zugänglich sein sollte.Werner Puschraist Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Israel. 

Aufgrund der besonderen Position Jerusalem – sowohl in politischer, wie auch in geografischer Hinsicht, könnte Trumps Entscheidung, den gesamten Nah-Ost-Konflikt nachhaltig verändern. Darüber hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser hat mit dem Blogger und Journalisten Christoph Dinkelaker gesprochen.

Porträt Christoph DinkelakerDer Plan Trumps zementiert die politischen Bestrebungen von Israel und den USA der vergangenen Jahre.Christoph DinkelakerBlogger und Journalist mit dem Schwerpunkt Nah-Ost 

Redaktion: Lara-Lena Gödde, Julia Rosner