Syrienkrieg | Russland fliegt Luftangriffe

Beendet Putin den Bürgerkrieg in Syrien?

02.10.2015

Millionen Menschen fliehen vor dem syrischen Bürgerkrieg, den Angriffen der Assad-Regierung und vor der Terrormiliz "Islamischer Staat". Russland will dem Bürgerkrieg nun ein Ende setzen, Machthaber Assad unterstützen und fliegt seit dieser Woche Lufteinsätze gegen die Extremisten und auch gegen die Rebellen, die Diktator Assad angreifen.

Die Lage in Syrien scheint unverändert: Der Bürgerkrieg fordert immer mehr Opfer und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ scheint mit den aktuellen Mitteln nicht besiegbar zu sein. Immer mehr Menschen fliehen deshalb vor dem Terror. Wladimir Putin will dem Flüchtlingsstrom nun stoppen. Zusammen mit Baschar al-Assad, dem Diktator des Landes, will er die Terrormiliz zerstören und ganz nebenbei auch den Bürgerkrieg endgültig beenden.

Keine Rücksicht auf Zivilisten?

Seit dieser Woche fliegt Russland nun Lufteinsätze in Syrien. Dabei nimmt sich Russland offenbar aber auch die sogenannten Rebellenmilizen vor, die Assad stürzen wollen. Der Regierung wird vorgeworfen, dass bei den Angriffen auch mehrere Zivilsten ums Leben gekommen seien. Putin bezeichnet die Anschuldigungen als „feindliche Propaganda“.

Es ist sehr offensichtlich, dass die ersten russischen Luftschläge nicht gegen die IS-Stellungen, sondern gegen Positionen ausgetragen wurden, die von Gruppen gehalten werden, die sowohl gegen IS, als auch gegen die Regierungstruppen kämpfen. – Stefan Scholl, Russland-Korrespondent von brand eins

Politische Konsequenzen

Auch die USA bekämpfen die Gewalt der Terrormiliz IS. Um sich bei den Luftangriffen nicht mit Russland in die Quere zu kommen, haben Russland und die USA deshalb ein Abkommen geschlossen. Der Einsatz ist sehr umstritten, vor allem die Türkei warnt vor einer „weiteren Eskalation“. Dabei beruft sich Russland auf das Hilfe-Gesuch von Staatschef Assad.

Es ist für den Kreml enorm wichtig, dass er immer betont: „Wir sind die einzigen die dort legal auf Einladung des legitimen syrischen Präsidenten  Krieg führen.“ Die Frage ist nur, wie legitim dieser Präsident ist. – Stefan Scholl, Russland-Korrespondent von brand eins

Ob Putin mit dieser Strategie wirklich den IS bekämpft und somit den Flüchtlingsstrom aus Syrien stoppen kann, wird von vielen Beobachtern bezweifelt. Möglicherweise muss Russland künftig mit neuen politischen Sanktionen des Westens rechnen.

Moskau-Korrespondent Stefan Scholl hat im Interview mit detektor.fm-Moderator Marcus Richter die Bedeutung der Luftangriffe Russlands in Syrien erklärt.

Stefan Scholl_portraitLangfristig könnte ich mir vorstellen, dass der Westen neue Sanktionen gegen Russland verhängt.Stefan SchollMoskau-Korrespondent für das Wirtschaftsmagazins "brand eins". 

Redaktion: Laura Zachmann