Terror in Frankreich

Kampf der Kulturen? Eine Gesellschaft unter Druck

09.01.2015

Mit dem Tod der Attentäter von Paris endet das Blutvergießen in Frankreich. Nun beginnt die Aufarbeitung des Terroraktes - und stellt eine ohnehin schon gespaltene Zivilgesellschaft vor eine große Herausforderung.

Kampf der Kulturen?

Anfang der 1990er Jahre hat der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington die Möglichkeit eines künftigen „Kampfes der Kulturen“ beschrieben. Dabei hat er sich vor allem  auf das Konfliktpotential bezogen, das aufeinander prallende kulturelle Wertvorstellungen mit sich bringen. Huntington hat damals prognostiziert, dass der Faktor Kultur in der internationalen Politik massiv an Bedeutung gewinnen wird. Behält er nach den Terror-Anschlägen in Paris Recht?

Möglich, dass Huntington inzwischen anders urteilen würde als manche, die sich triumphierend auf ihn berufen. Religion scheint in den aktuellen Konflikten lediglich ein Vorwand zu sein, um brutale Anerkennungs- und Verteilungskonflikte zu tarnen.

Terrorismus in Frankreich

Nach den Attentaten auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo am Mittwoch erlebte Frankreich eine beispiellose Jagd auf die mutmaßlichen Attentäter. Am Freitag verschanzten sie sich in einer Fabrikhalle im Nordosten von Paris, vermutlich mit einer Geisel.

Ein weiterer Mann, der die Täter kennen soll, nahm in Paris ebenfalls Geiseln. Die Polizei stürmte beide Orte und erschoss die drei Männer – in Paris starben dabei auch einige der Geiseln.

Mit dem blutigen Finale kann Frankreich nach drei Tagen mit der Suche nach Ruhe beginnen. Doch nun kommt der schwierige Teil: die öffentliche Aufarbeitung des Geschehenen in einer ohnehin schon gespaltenen Gesellschaft.

Spekulation und Alarmismus

Von Al-Kaida gesteuerte Terroristen? Nacheiferer des „Islamischen Staats“? Fanatische Einzeltäter oder gut vernetzte Veteranen des Dschihad? Solange das Attentat von Paris nicht aufgeklärt ist, bleibt alles Spekulation.

Die gibt es bereits zuhauf: Experten suchen eilig nach Mustern in der Wahl der Mittel oder in der Entscheidung für das Ziel. Einfältige suchen nach Sündenböcken. Der Alarmismus hat wieder Konjunktur. Die Kriege und Folterskandale nach dem 11. September mahnen noch heute, was Angst und Wut mit einer Gesellschaft anrichten können.

Quo vadis, Europa

Wie wird die französische Zivilgesellschaft auf die Gräueltaten reagieren, die aus ihrer Mitte heraus begangen wurden? Wird sie im Angesicht des Schreckens zusammen stehen oder entlang religiöser und politischer Ansichten auseinander brechen? Und was bedeutet der erneute Terroakt isamistischer Terroristen in Europa für die weiter anschwellende Fremden- und Islamfeindlichkeit, die sich nicht nur in Frankreich breit macht? Darüber hat Holger Klein mit Frank Baasner gesprochen. Er ist der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg und hat selbst lange in Frankreich gelebt.

Portrait-Professor-Frank-Baasner-300x224Man kann doch nicht ernsthaft einen militanten Terrorismus mit Flüchtlingen zusammen werfen, die genau vor diesem Terrorismus hierher fliehen.Frank BaasnerDirektor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg 

 

Redaktion: Leef Hansen