Themenwoche Irak | Das Sykes-Pirot-Abkommen

Irak, Iran, Syrien, Libanon - Liegt die Wurzel der Konflikte im Jahr 1916?

16.06.2014

Während des ersten Weltkriegs haben Frankreich und England ein Geheimabkommen geschlossen. Es prägt den Nahen Osten bis heute: die sogenannte „Sykes-Picot-Ordnung." Die damals recht willkürlich gezogenen Grenzen werden nun aufgebrochen.

Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten könnten zu einem Zerfall der Staatenordnung im Nahen Osten führen. Foto: AFP | Weleyat Salahuddin

Der Konflikt zwischen Schiiten und Suniten im Irak könnte zum endgültigen Zusammenbruch einer alten Ordnung führen: der Sykes-Picot-Ordnung. Mit dieser Vereinbarung wurden die Grenzen des Irak und der Arabischen Welt nach dem Ersten Weltkrieg von den Briten und Franzosen künstlich neu gezogen. Vor allem die Briten betrieben im Osmanischen Reich eine auf ihr Empire ausgerichtete Machtpolitik, ohne Rücksicht auf die dort lebende Bevölkerung. Im Vordergrund stand stets eine politisch starke Position gegenüber dem Deutschen Reich, mit dem man damals im Krieg stand.

Staatenaufteilung als Machtspiel

Durch das Abkommen erhielt Großbritannien den Zugriff auf die  Gebiete der heutigen Staaten Jordanien, Irak sowie von Teilen Israels.  Syrien und der Libanon fielen Frankreich zu – und der spätere gegründete Staat Israel wurde unter internationale Verwaltung gestellt.

Konflikte im Nahen Osten

Die willkürliche Trennung von Regionen und Ethnien führt bis heute zu Konflikten. Sunniten, Schiiten, Christen, Griechisch-Orthodoxe oder Kurden – alle versuchen bis heute, ihren Platz im Nahen Osten zu finden. Dabei sind die Konflikte dieser Gruppen nicht staatlich geprägt, sondern basieren in der Regel auf Kontroversen zwischen verschiedenen Ethnien und Religionen – genau wie zur Zeit auch im Irak wieder. Die ISIS-Offensive könnte nun, so fürchten manche, zum Zerfall des bestehenden Staatensystems sowie der zwischenstaatlichen Grenzen führen.

Das Ende einer Ordnung

Über die Sykes-Picot-Ordnung und über einen möglichen Zerfall der Staaten im Nahen Osten haben wir mit Gunter Mulack gesprochen. Er ist Direktor des Deutschen Orient Instituts und ehemaliger Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Syrien.

gunter mulack"Wenn jetzt in all diesen Staaten auf einmal Demokratien entstehen würden, die nicht auf ethnischer Basis funktionieren, sondern die allen Bürgern und Bürgerinnen die Chance geben würden, friedlich zusammenzuleben - dann könnte man das sicherlich aufrecht erhalten."Gunter MulackDirektor des Deutschen Orient-Instituts und ehemaliger Botschafter Deutschlands in Syrien.