Themenwoche Irak: Kurdistan

Zerbricht der Irak in mehrere Staaten?

17.06.2014

Die Lösung der "kurdischen Frage" wird seit dem Ende des Ersten Weltkrieges diskutiert. Der Kampf der irakischen Kurden für einen unabhängigen Staat, könnte jedoch bald ein Ende haben. Denn selten sind die Kurden im Irak so stark gewesen und die Zentralregierung in Bagdad so schwach. Die Unabhängigkeit scheint greifbar.

Die irakischen Kurden kämpfen seit langen für einen unabhängigen Staat Kurdistan. Dieser Wunsche könnte nun in Erfüllung gehen. Foto: AFP | Safin Hamed

Die Offensive der Extremistengruppe ISIS könnte der Anfang der Unabhängigkeit der irakischen Kurden sein.  Denn auch die schwache Zentralregierung in Bagdad könnte dazu beitragen, dass der Traum von einem eigenen Staat Kurdistan bald in Erfüllung geht.

Weltweit größte Minderheit

Die Kurden sind mit 35 Millionen Menschen weltweit die größte Minderheit ohne eigenen Staat. Sie leben zum großen Teil in vier Staaten: In der Türkei, Iran, dem Irak und Syrien.

Jahrzehntelang unterdrückt

Nach dem Ersten Weltkrieg ist das Siedlungsgebiet der Kurden im Osmanischen Reich aufgelöst worden. Im Friedensvertrag von Sèvres wurde 1920 daraufhin eine Unabhängigkeit Kurdistans vorgesehen. Durch die Entdeckung von Erdöl im Kurdengebiet kam es jedoch nie dazu. Seitdem kämpfen die Kurden für ihre Unabhängigkeit und gegen die Unterdrückung und Diskriminierung ihres Volkes. Als 1968 die Baath-Partei im Irak an die Macht kam, nahm die Unterdrückung der Kurden zu und erreichte unter Präsident Saddam Hussein ihren Höhepunkt.

Autonomie Kurdistans

Mit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 verbesserte sich die Situation der irakischen Kurden. Nach dem Sturz Saddam Husseins und mit der irakischen Verfassung von 2005 ist die Autonomie der Region Kurdistans anerkannt worden. Die Region hat seitdem eine eigene Regierung, die parallel zur Zentralregierung in Bagdad existiert.

Der Streit um das Öl

Allerdings steht die Regierung Kurdistans im ständigen Konflikt mit der Zentralregierung in Bagdad. Am häufigsten streiten sie sich dabei um die Ölvorkommen in Kurdistan. Denn wie die Einnahmen aus der Ölförderung zwischen der kurdischen Regierung in Arbil und der irakischen Regierung in Bagdad aufgeteilt werden sollen, ist bisher ungeklärt. Die Zentralregierung beharrt darauf, dass nur sie legal irakisches Öl verkaufen darf.

Lösung der „kurdischen Frage“

Die Lösung der „kurdischen Frage“ war bisher immer sehr unwahrscheinlich. Das ändert sich nun aufgrund der derzeitigen Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten. Die Verhandlungsposition der irakischen Kurden verbessert sich, da die irakische Zentralregierung so schwach ist, wie nie zuvor. Sogar ein unabhängiger Staat Kurdistan scheint momentan möglich.

Über die Lösung der „kurdischen Frage“ haben wir mit Ferhard Seyder gesprochen. Er leitet die Mustafa Barzani Arbeitsstelle für Kurdische Studien an der Universität Erfurt.

Ferhard Seyder"Die Kurden sind jetzt in allen umstrittenen Regionen, die nicht Teil von Kurdistan waren, aber von Kurden bewohnt werden. Und die Kurden haben sich in den letzten zwei Tagen so geäußert, dass sie diese Regionen nie wieder verlassen werden."Ferhard Seyderleitet an der Universität Erfurt die Mustafa Barzani Arbeitsstelle für kurdische Studien