Transatlantische Beziehungen in der Krise

Alles nur Wahlkampf-Getöse?

13.09.2017

Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind traditionell eng. Das gilt für Politik und Wirtschaft genauso wie für den kulturellen Austausch. Mittlerweile müssen aber einige neue Herausforderungen gemeistert werden.

Transatlantische Beziehung: Ein Stück weit vorbei

Mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist über Nacht klar geworden, dass sich die transatlantischen Beziehungen radikal verändern könnten. Denn im Wahlkampf hatte er immer wieder mit Kritik an der deutschen Politik von sich Reden gemacht. Vor allem kritisierte er die Flüchtlingspolitik, den deutschen Exportüberschuss und zu geringe Militärausgaben. Auch seit seinem Amtsantritt kommt es immer wieder zu verbalen Attacken.

Gleichzeitig hat in Deutschland die Kritik an Donald Trump und den USA Konjunktur. Im Wahlkampf ist es vor allem Martin Schulz, der in die Offensive geht und Trump kritisiert.

Aber auch Merkel hat im Mai für Aufsehen gesorgt – in Deutschland und den USA. Damals hat sie in einem bayerischen Bierzelt verkündet, dass die Zeiten, in denen man anderen vertrauen kann, ein Stück weit vorbei seien. Damit waren wohl vor allem die USA gemeint.

Wahlkampf vs. Realpolitik

Die Kritik von beiden Seiten muss aber auch in den Kontext der Wahlkämpfe in den USA und in Deutschland eingeordnet werden. Denn in der Realität hat es seit Trumps Amtsantritt auch Annäherungen gegeben.

Ich mache mir eigentlich keine Sorgen um Wahlkampfthemen. Im Wahlkampf wird vieles gesagt, was nicht relevant für das Regieren und die Beziehungen ist. – Conrad Tribble, Deputy Assistant Secretary im US-Außenministerium

Das zeigt sich zum Beispiel bei der amerikanischen Forderung nach einer Erhöhung der Militärausgaben. Die wird von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der Union begrüßt.

Und auch beim transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP gibt es Annäherungen. Obwohl das Abkommen momentan auf Eis liegt, betonen europäische und amerikanische  Politiker, dass die Verhandlungen wieder aufgenommen werden sollen. Trump hatte das umstrittene Abkommen Anfang des Jahres per Dekret gestoppt.

Wie es um die transatlantische Beziehung steht, hat detektor.fm-Moderator Gregor Schenk im Studiogespräch mit Conrad Tribble besprochen. Er ist Deputy Assistant Secretary im Bureau of European and Eurasian Affairs, das zum US-Außenministerium gehört. Von 2009 bis 2012 war er Generalkonsul in München.

Conrad-Tribble-im-dfm-StudiDeutschland, als unser wichtigster Partner in der EU, hat eine globale Rolle. In den letzten 20 Jahren hat sich Deutschland in diese Rolle eingearbeitet und wir wollen, dass Deutschland global und international bleibt.Conrad Tribbleist Deputy Assistant Secretary im US-Außenministerium. Foto: Kati Zubek 

Redaktion: Lukas Gilbert