Wissenschaftler gegen Trump

Unabhängig statt staatliche Kontrolle

31.01.2017

Nach den Frauen gehen nun die Wissenschaftler gegen Trump auf die Straße. Sie demonstrieren für die Forschungsfreiheit, nachdem Trump der Umweltbehörde EPA den Kontakt zu den Medien verboten hat.

Zensur für Wissenschaftler durch Trump

In Amerika bahnt sich ein neuer Konflikt an: Wissenschaftler wehren sich gegen die Politik. Bekanntlich will der US-Präsident, Donald Trump, zusammen mit seinen Ministern Amerika wieder groß machen, jedoch nicht durch Forschungsförderung. Wissenschaftler in den USA ermahnen die Regierung zur Weitsicht, nicht nur im Klimaschutz.

Mitarbeiter gleich mehrerer Teilgebiete der Wissenschaft rebellieren. Doch begonnen hat der Protest nach der geplanten Zensur der Environmental Protection Agency (EPA). Die staatseigene Agentur veröffentlicht regelmäßig Studien zum Thema Umweltschutz. Bekannt wurde sie durch ihr hartes Vorgehen gegen Volkswagen nach dem Abgasskandal 2016.

Unter Trump, der noch im Wahlkampf seine Zweifel am Vorhandensein des Klimawandels offen ausgesprochen hat, leitet nun Scott Pruitt die EPA. Pruitt gilt als Gegner des Umweltschutzes und beendete vorerst den Kontakt zwischen EPA und Medien.

NASA, Kunst und Sozialwissenschaft betroffen

Neben den Sorgen der Umweltwissenschaftler gibt es in weiteren Forschungsgebieten Auseinandersetzungen mit der Trump-Regierung. Die Weltraumbehörde NASA soll sich in ihrer Arbeit ausschließlich auf den Weltraum beschränken und nicht wie bisher mit Satellitenbildern zur Erdbeobachtung beitragen. Diese gaben Klimaforschern wichtige Erkenntnisse über die Erderwärmung.

Viele Leute in Amerika erkennen nicht, was die Wissenschaft für sie tut. Deswegen kann sie angegriffen werden. – Prof. Gregory Crane

Außerdem will die Regierung die staatlichen Förderungen der Kulturstiftungen NEA und NEH beenden. Durch sie wurden Museen, Archive und Bibliotheken sowie Studiengänge der Sozialwissenschaft gefördert. Dadurch will die Regierung umgerechnet 150 Millionen Euro sparen.

Großdemonstration in Washington

Unter dem Hashtag #ScienceMarch bei Twitter und unter March for Science bei Facebook ist bereits eine Großkundgebung in Washington geplant. In Anlehnung an die Protestaktionen „Women’s March“ vom 21. Januar wollen nun Mitte März auch die Wissenschaftler gegen Trump demonstrieren.

Auch in Deutschland soll es Kundgebungen geben. Jedoch können sich Forscher in Deutschland auf das Grundgesetz berufen. Die darin verankerte Unabhängigkeit der Wissenschaft gibt es in dieser Form in der Verfassung der USA nicht.

Es gibt keine Gesetze, die die genaue Förderung regelt. Auf Dauer kommt die Unterstützung von den Steuern. Wir bekommen aber nur so viel, wie uns die Bevölkerung zugesteht. – Prof. Gregory Crane

Die Situation vor Ort schätzt Prof. Gregory Crane im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer ein. Er arbeitet in der Alexander von Humboldt-Stiftung im Bereich Digital Humanities und betreibt den Lehrstuhl für Informatik an der Tuft University in Bosten.

gregory crane privat geschnittemWir dürfen uns nicht als "special interest group" sehen, die einfach Fördermittel verlangen. Wir müssen der Gesellschaft zeigen, dass wir für sie wichtig sind.Prof. Dr. Gregory Ralph Craneist Alexander-von-Humboldt-Professor im Bereich "Digital Humanities".