Türkei schreitet gegen IS ein

"Die Trümmer der Syrien-Politik"

24.07.2015

Die Türkei schreitet nun doch in den Kampf gegen den Islamischen Staat aktiv ein. So soll auch die Grenze zum Nachbarland Syrien stärker abgesichert werden. Welchen Grund hat die Kehrtwende in Ankara?

Nach monatelanger Enthaltung beteiltigt sich das türkische Militär nun doch am Kampf gegen den Islamischen Staat. In der Nacht bombardierte es drei Stellungen der Terrormiliz im Nachbarland Syrien. Außerdem dürfen amerikanische Kampfjets den Luftwaffenstützpunkt Incirlik für Starts und Landungen nutzen.

Kampf gegen den Islamischer Staat

Noch im vergangenen Jahr hatte sich die türkische Armee in den monatelangen Kämpfen mit dem Islamischen Staat um die Stadt Kobane enthalten.

Die Regierung steht aktuell vor den Trümmern ihrer Syrien-Politik. – Burak Çopur, Politikwissenschaftler

Die Strategie der Regierung im Umgang mit dem Islamischen Staat war bisher: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Ankara versprach sich, dass der IS zeitgleich zwei eigenen Ziele nützt: Syriens Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen und ein kurdisches Autonomiegebiet in Syrien zu verhindern.

Kursänderung der Türkei

Die Kehrtwende kommt damit nur wenige Tage nach dem Anschlag in der Grenzstadt Suruç. Zweiunddreißig Menschen wurden bei dem Attentat getötet. Die türkische Regierung sieht die Terrorvereinigung als verantwortlich. Wenige Tage später gab es Gefechte zwischen dem türkischen Militär und dem IS, bei dem ein türkischer Soldat getötet wurde.

Ermittler haben mehr als 250 mutmaßliche IS-Anhänger im ganzen Land festgenommen. Auch die türkische Grenze zu Syrien soll nun besser gesichert werden, die für Terrorkämpfer bisher problemlos zu überqueren war.

Im Interview mit Burak Çopur  hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm über die Kehrtwende Ankaras gesprochen. Er ist Dozent am Lehrstuhl des Instituts für Turkistik der Universität Duisburg-Essen.

Burak CopurDie Strategie "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" ist gescheitert. Der Kurswechsel der Türkei gegenüber den Islamisten ist richtig, aber nun wirklich verspätet.Burak Çopurist Dozent am Lehrstuhl des Instituts für Turkistik der Universität Duisburg-Essen. 

Redaktion: Sandro Schroeder