Übern Teich | 9/11: Der 11. September im US-Wahlkampf

„Die Anschläge sind so präsent, als wären sie gestern gewesen“

12.09.2016

Der 11. September jährt sich zum 15. Mal. Der Umgang mit Angst und Terror spielt auch im aktuellen Wahlkampf eine tragende Rolle – und polarisiert die verschiedenen politischen Lager.

Hillary Clinton hätte sich vermutlich keinen ungünstigeren Zeitpunkt für einen Schwächeanfall aussuchen können als die Gedenkveranstaltung zum 15. Jahrestag des 11. September. Zwar sollte an diesem Tag der Wahlkampf eigentlich eine Pause machen. Doch für Donald Trump bot der Vorfall natürlich ausreichend Gelegenheit, um den Gesundheitszustand seiner Konkurrentin infrage zu stellen.

Der 11. September Wahlkampfthema bei Demokraten und Republikanern

„Nine-Eleven“, wie die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA genannt werden, ist immer wieder ein Thema in den Wahlkampfkampagnen beider politischer Lager. Hillary Clinton erwähnt gerne ihre ehemalige Funktion als Senatorin des Bundesstaates New York. Damals habe sie sich nach eigenen Angaben besonders unbürokratisch und schnell um die Unterstützung der Feuerwehrmänner gekümmert.

Trump hingegen kritisiert, dass die demokratische Regierung – inklusive damaliger Außenministerin Clinton – zu schwach gegen den Terror vorgegangen sei. Im vergangenen Jahr forderte er unter anderem, dass amerikanische Muslime registriert und überwacht werden sollten. Dass er in diesem Zusammenhang das Datum der Anschläge (9/11) mit dem Namen einer amerikanischen Supermarktkette (7/11) verwechselte, schien den republikanischen Präsidentschaftskandidaten dabei wenig zu kümmern.

Weltweiter Kampf gegen den Terror

Die Folgen der Anschläge von vor 15 Jahren sind in den USA bis heute deutlich spürbar. Die Sicherheitsvorkehrungen seit dem 11. September 2001 etwa haben massiv zugenommen: Bedingungen für Flugreisende zum Beispiel wurden drastisch verschärft.

Nach den Terroranschlägen kündigte der damalige US-Präsident George W. Bush einen weltweiten „Kampf gegen den Terror“ an. Damit verbunden: der Einmarsch in Afghanistan – das Land, das Osama Bin-Laden, dem Drahtzieher der Attentate, Unterschlupf gewährte. Zwei Jahre später, 2003, folgte die Invasion in den Irak.

Es kann keine Rede davon sein, dass dieser Tag an Bedeutung verloren hätte. – Alexander Görlach, Politikwissenschaftler

Auch 15 Jahre nach den Ereignissen ist die Angst vor Terror in den Vereinigten Staaten nach wie vor präsent. Welche Bedeutung der 11. September für den Wahlkampf hat, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit dem Politikwissenschaftler Alexander Görlach gesprochen.

. forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke.Der 11. September wird für die Politik amerikanischer Präsidenten noch lange von Bedeutung sein.Alexander Görlachforscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellvertretender Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist unter anderem Mitglied in der Atlantik-Brücke.