Übern Teich | TV-Duell im US-Wahlkampf

Hillary Clinton vs. Donald Trump

27.09.2016

Eineinhalb Jahre politische Schikanen und Schlagabtausche – selten hat ein Wahlkampf so polarisiert. In den USA beginnt nun die heiße Phase des Wahlkampfes. Mehr als 100 Millionen Menschen sollen gestern Abend gespannt vor dem Fernseher gesessen haben, als die beiden Kandidaten Clinton und Trump zum ersten Mal aufeinandergetroffen sind.

Das Format ist einfach: Zwei Menschen streiten sich und Millionen schauen dabei zu. Mit dem TV-Duell beginnt der Showdown um den Platz im Weißen Haus. Am 8. November wird darüber entschieden, ob Hillary Clinton oder Donald Trump 45. Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Gestern war das erste TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten. Unmittelbar davor lagen Clinton und Trump in Umfragen nahezu gleichauf. Entsprechend wichtig wurde das TV-Duell eingeschätzt. Es könnte bei noch unentschiedenen Wählern den Ausschlag geben.

TV-Duell: Tradition seit 1958

Anders als in Deutschland hat ein solches Duell in den USA eine lange Tradition. Das erste Fernsehduell in der US-Geschichte ist immer noch das berühmteste: Richard Nixon gegen John F. Kennedy. Um kein anderes ranken sich derart viele Mythen, und kein anderes hat deutlicher gemacht, dass das Aussehen manchmal sogar wichtiger ist als die Inhalte.

Kennedy gewann das erste Fernsehduell der US-Geschichte, jedoch nicht, weil seine Aussagen unbedingt besser waren. Nixon sah einfach schlecht aus. In einer Untersuchung nach dem Duell haben Forscher Experimente durchgeführt, in denen sie Probanden nur den Ton der Debatte vorspielten. Das Ergebnis: Die Mehrheit sah Nixon als Gewinner und nicht Kennedy.

Einer Umfrage zufolge sind die TV-Duelle für 50 Prozent der US-Wähler ausschlaggebend für die Wahlentscheidung. In den Umfragen gelang es Trump in den vergangenen Wochen, den Rückstand zu Clinton deutlich zu verkürzen.

Alles eine Frage der Vorbereitung

Sowohl Trump als auch Clinton spielen das Duell vorher mehrfach durch. Die Wahlkampfteams laden Leute ein, die den gegnerischen Kandidaten spielen, und simulieren dann das Duell.

Die TV-Duelle sind gelebte Tradition und sie haben Einfluss auf die Wahl. – Alexander Görlach, Politikwissenschaftler

Nach einer Blitzumfrage des Senders CNN liegt Clinton mit 62 Prozent vorn, Trump sehen nur 27 Prozent der Befragten als Sieger. Die beiden anderen Fernsehduelle finden am 9. und 19. Oktober statt. Was für Patzer es gegeben hat und inwiefern TV-Duelle Einfluss auf die Amerikaner ausüben, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichelt mit Alexander Görlach gesprochen. Er ist Politkwissenschaftler und aktuell in Harvard.

. forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke.Herr Trump hat erwartungsgemäß geliefert und mit Detailaussagen über seine Kontrahentin sich in den Vordergrund gespielt. Alexander Görlach, forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke. 

Redaktion: Linh Pham