Übern Teich | Super Tuesday bei US-Vorwahlen

Alles außer Trump?

29.02.2016

Die Vorwahlen der Republikaner können wie folgt zusammengefasst werden: Donald Trump. Doch noch ist er nicht der gewählte Präsidentschaftskandidat. Vier andere Republikaner sind noch im Rennen. Wofür stehen Ted Cruz, Marco Rubio, John Kasich und Ben Carson?

Super Tuesday: Vorwahlen in 14 US-Bundesstaaten

Beim sogenannten Super Tuesday stimmen Demokraten und Republikaner in 14 Bundesstaaten über ihre Delegierten für die Präsidentschaftswahlen ab. Die entscheiden dann im Sommer darüber, welchen Kandidaten sie in das Rennen schicken.

Bei den Republikanern wird am Super Tuesday sogar auf einen Schlag mehr als die Hälfte der Delegierten gewählt – der Tag ist also entscheidend für die Vorwahlen. Ein Überblick auf die republikanischen Kandidaten neben Donald Trump:

Der Rebell aus Texas: Ted Cruz

Ted Cruz hat nicht viele Freunde in Washington. Als Senator für den Bundesstaat Texas hat er nicht nur Obama harsch angegriffen, sondern auch Mitch McConnell, den Mehrheitsführer seiner eigenen Fraktion. Vor seiner Wahl zum Senator konnte er sich als der am längsten amtierende Generalstaatsanwalt von Texas mit lateinamerikanischen Wurzeln in zahlreichen Fällen vor dem Supremecourt einen Namen machen.

Im Wahlkampf profiliert er sich als, seiner Meinung nach, einzig wahrer Konservativer und sicherte sich zudem die Unterstützung von vielen religiösen Gruppen. Wegen seiner rücksichtslosen Politik im US-Senat bleibt ihm jedoch die Unterstützung durch republikanische Senatoren verwehrt.

Republikanischer Obama: Marco Rubio

Der jüngste Kandidat, Marco Rubio, hat einen vergleichbar schnellen Aufstieg in der Politik hingelegt, wie Barack Obama. Schon mit 26 Jahren wurde er in den Stadtrat von West Miami gewählt. Danach war er seit 2000 neun Jahre im Repräsentantenhaus von Florida, für das er viermal ohne Gegenkandidaten wiedergewählt wurde.

2010 konnte er mit der Unterstützung der Tea Party in den US-Senat einziehen. Er steht für eine limitierte Regierung und gilt als einer der konservativsten Senatoren überhaupt.

Der Arzt und der Unerwartete: Ben Carson und John Kasich

Das Schlusslicht bilden der Gouverneur von Ohio, John Kasich, und der ehemalige Gehirn-Chirurg Ben Carson, der durch seine Operationen an siamesischen Zwillingen Bekanntheit erlangt hat. Er stach vor allem durch extreme Bemerkungen in den Debatten hervor: zum Beispiel findet er es legitim, auch Kinder zur Bekämpfung des Islamischen Staates zu bombardieren.

John Kasich hingegen hatte lange niemand auf dem Zettel, bis er überraschend als Zweiter aus den Vorwahlen in New Hampshire hervorgehen konnte. Er ist noch der gemäßigste der vier republikanischen Kandidaten. Er erkennt als einziger Bewerber an, dass der Klimawandel von Menschen mitverursacht wird.

Kein Weg vorbei an Donald Trump?

Doch auch, wenn man sich die Kandidaten einzeln anschaut, läuft es am Ende auf ein Kräftemessen mit Donald Trump hinaus.

Wenn man jetzt versucht, den Präsidentschaftswahlkampf ohne Donald Trump zu verstehen, dann wird das nicht gelingen. – Alexander Görlach

Eine der letzten Reißleinen, die die Republikaner jetzt noch ziehen könnten, wäre die Aufgabe von Marco Rubio. Umfragen haben ergeben, dass dann 70 Prozent der potentiellen Rubio-Wähler für Ted Cruz abstimmen würden. Wenn Rubio aufgeben und sich hinter Ted Cruz stellen würde, könnten sie eine Mehrheit gegenüber Trump erreichen.

Über die republikanischen Kandidaten vor dem Super Tuesday hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Alexander Görlach gesprochen. Er ist derzeit als Gastwissenschaftler an der Harvard University.

. forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke.Ted Cruz und Marco Rubio bewerben sich gerade um das Image, der "anständige" Konservative zu sein. Aber gerade bei Ted Cruz gibt es genügend Kommentatoren, die ihn für schlimmer halten als Donald Trump.Alexander Görlachforscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke. 

Redaktion: Christopher van der Meyden


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