Konflikt in der Ukraine | Neue Offensive – eine Analyse des Status Quo

Ein Kampf ohne Ende

26.01.2015

Seit fast einem Jahr herrscht in der Ostukraine nun schon der Ausnahmezustand. Zuletzt fiel der strategische wichtige Flughafen von Donezk an die Rebellen. Nun wurde die Hafenstadt Mariupol bombardiert, unter den Toten sind viele Zivilisten. Eine Lageeinschätzung.

Der Beginn des Ukrainekonflikts

Die Ukraine hat nur 45 Millionen Einwohner, doch die Bevölkerung ist tief gespalten. Ein großer Teil fühlt sich Russland zugehörig, der andere Teil möchte lieber zur EU gehören. Dieser Wunsch löste am 21. November 2013 auch eine Revolution aus: den sogenannten Euromaidan – und damit den Ukrainekonflikt, als der damalige Präsident Viktor Janukowitsch sich weigerte, das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen.

Viele tausend Menschen, die eine Annährung an die EU suchten, gingen deshalb in Kiew auf die Straße und forderten später die Absetzung des Präsidenten Janukowitsch und mehr Demokratie im Land.

Wohin gehört die Halbinsel Krim?

Auch die Halbinsel Krim im Osten der Ukraine wird zu einem Brennpunkt in dem Konflikt. Im Laufe ihrer Geschichte wechselte die Insel zwischen russischer und ukrainischer Kontrolle und Autonomie. Nach den aufkommenden politischen Unruhen keimten bald auch wieder separatistische Bewegungen auf der Krim auf und russische Kämpfer besetzten das Regionalparlament. Sergei Aksjonows wurde Ministerpräsident. Die Separatisten forderten die Republik Krim und die Abspaltung von der Ukraine.

Im Februar 2014 fand ein Referendum über den möglichen Anschluss an Russland statt. Bei diesem sprachen sich mehr als 96% der Krimbewohner für Russland aus. Völkerrechtlich ist diese Abstimmung jedoch nicht anerkannt.

Der bewaffnete Widerstand wächst

Kurz nach dem Referendum kam es zu Ausschreitungen auf der Halbinsel. Die Lage der Bevölkerung auf der Krim verschlechterte sich zunehmend, es fehlte an Hilfsgütern. Das war auch einer der Gründe, warum Präsidenten Poroschenko im Juni einen einwöchigen Waffenstillstand ausrief. Nach anfänglichen Zögern stimmten die Separatisten zu und es kam zu einen Waffenstillstand von neun Tagen. Bereits am 1. Juli 2014 begann das ukrainische Militär wieder mit Angriffen auf separatistische Stellungen im Osten der Ukraine.

MH17 – der Höhepunkt der bewaffneten Auseinandersetzung des Ukrainekonflikts

Die erneuten Auseinandersetzungen fanden ihren Höhepunkt im Abschuss des Malaysia Airlines Flugzeugen MH17. Der Flug dieser Maschine führte von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als sie über der Ostukraine von einer Bodenrakete getroffen wurde und abstürzte. Alle 298 Insassen des Flugzeugs kamen ums Leben.

Die Aufklärung der Absturzursache gestaltete sich schwierig, da die Wrackteile sich in von Separatisten besetzen Gebiet befanden und schwer zugänglich waren. Wer für den Absturz verantwortlich war, ist bis heute nicht endgültig geklärt.

Minsker Abkommen scheitert

Im Herbst unterzeichneten die Konfliktparteien das Minsker Abkommen, in dem sie sich zu einer Waffenruhe durchrangen. Doch die Waffenruhe war seither brüchig. Am 23. Januar 2015 erklärten die prorussischen Separatisten das Abkommen für gescheitert und starteten eine neue Offensive. Erst gelang es ihnen, den strategisch wichtigen Flughafen von Donezk einzunehmen. Nun haben Sie eine Offensive auf  die Industriestadt Mariupol gestartet.

Über die aktuelle Situation und die Strategien der Konfliktparteien haben wir mit Prof. Dr. Hans-Henning Schröder gesprochen. Er ist Russlandexperte und lehrt an der FU Berlin.

henning-Schroeder"Man muss davon ausgehen, dass die Separatisten weiter Waffen und Munition aus Russland erhalten. Insofern ist die Ukraine nicht in der Lage, sie militärisch zu besiegen."Hans-Henning SchröderRusslandexperte, lehrt an der FU Berlin 

Redaktion: Maria Mathias