Serie “Ungerechtes Deutschland?”

Vermögen so ungleich verteilt wie noch nie

31.03.2014

Das Vermögen in Deutschland ist immer ungleicher verteilt: wer reich ist, wird reicher - wer kaum etwas hat, verliert häufig sogar noch. Wie ist das möglich, in einem modernen Wohlfahrtsstaat?

In keinem anderen Euro-Land sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich so deutlich wie hier. Foto: Jan Ramroth | flickr.com | Lizenz: CC BY 2.0

Deutschland ist Europameister. Was beim Fußball für viel Euphorie sorgt, betrübt, wenn es um die Vermögensungleichheit geht. In keinem anderen Land innerhalb der Euro-Zone klaffen Arm und Reich soweit auseinander, wie in der Bundesrepublik.

Berechnet wird die Vermögensungleichheit über den sogenannten Gini-Koeffizienten. Dieser bewegt sich zwischen 0 und 1 – je geringer er ist, desto gleichmäßiger ist das Gesamtvermögen verteilt. In Deutschland ist der Gini-Koeffizient allerdings verhältnismäßig hoch: 0,78. Man könnte auch sagen: den Reichen gehört fast alles.

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Aber wer gilt als reich, was gilt als arm? Das Deutsche Instiut für Wirtschaftsforschung in Berlin hat die Vermögensverhältnisse der Deutschen berechnet. Wichtig ist hier vor allem das Nettovermögen. Hiervon besitzen verwitwete Männer über 60 Jahren am meisten, im Mittel sind es dort 188.784 Euro. Besonders wenig besitzen hingegen Alleinerziehende mit mindestens zwei Kindern: hier bleibt nur ein Vermögen von etwas mehr als 20.000 Euro.

Nach wie vor muss auch unterschieden werden, wohin man schaut. Denn die Vermögensstruktur im Osten Deutschlands hinkt der im Westen nach wie vor hinterher. Hier sind die Deutschen durchschnittlich noch ärmer, als in den alten Bundesländern.

Foto: DIW BerlinMarcel FratzscherFoto: DIW Berlin 

Die Schere geht weiter auseinander

Die Experten glauben, dass Hartz IV eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielt. Häufig muss erst das eigene Vermögen aufgebraucht werden, um staatliche Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Warum aber werden die Reichen dann statistisch gesehen immer reicher?

Darüber haben wir mit Marcel Fratzscher gesprochen, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin.